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Vollständige Version anzeigen : Warum neigt sich die Rotorkreisebene?


Kholdstare
07.10.2009, 08:34
Tag Leute

Ich hab' wohl gestern zu tief in's Glas resp. zu tief in den Heli geschaut und seither ein kleines Verständnis Problem.

Also von vorne. Der Vorwärtsflug eines Helis wird durch die Neigung der Rotorkreisebene erreicht.

Lass' ich den Heli bei 0 Pitch hochlaufen, und gebe eine Nick vorwärts Bewegung, sehe ich auch deutlich wie sich die gesamte Kreisebene nach vorne neigt, wie es eben sein soll.

Schauen wir uns die Taumelscheibe an, auch diese neigt sich analog von Nick/Roll Bewegungen.

So und nun, bei stehendem Rotor. Stellen wir uns im geistigen Auge vor, die Blätter sind zur Längsrichtung ausgerichtet, d.h. das hintere Blatt liegt direkt über dem Heckausleger, das vordere Blatt schaut ein bisschen über den Bug hinaus.

Wenn wir nur Nick nach vorne geben, neigt sich die Taumelscheibe nach vorne, lenkt damit ein Gestänge an, was beim vorderen Blatt aber nur dazu führt, dass das vordere Blatt einen höheren Anstellwinkel erhält, da die Blatthalter ja drehbar auf der Blattlagerwelle gelagert sind. Fact ist, im Stand neigt sich die Rotorkreisebene dadurch nicht, resp. kann gar nicht. Die einzig mögliche Neigung die das Blatt machen könnte wäre durch die Dämpfergummis, wenn auch minimal. Da die Blatthalter aber kugelgelagert sind, dreht sich der Blatthalter aber nur, anstatt dass der Blatthalter 'nach unten' geneigt würde - so erfährt das vordere Blatt einen höheren Anstellwinkel. (Bitte 90° zu spät / Kreisespräzession aussen vor lassen).

So, und nun lassen wir den Heli hochlaufen, geben Nick vorwärts, und die Rotorkreisebene neigt sich nach vorne, obwohl sie das, rein mechanisch, das nur über die Dämpfergummis tun könnte. Und meine Frage lautet nun - WARUM?

Gruss, Philipp

danousek
07.10.2009, 08:41
Die Blattebene neigt sich nicht nach vorne wenn die Blätter still stehen. Wenn du die Blätter längs dem Heli ausrichtest (ein Blatt parallel zum Heckrohr, eins über die Haube) und nun Nick gibst sollte sich an den Blättern nichts bewegen. Die Ansteuerung erfolgt ja 90° vorher, also wenn die Blätter 90° zum Heckrohr stehen. Wenn sich der Rotor nun dreht dann sieht man dass sich die Blattebene bei Nick zB synchron nach vorne neigt. Das resultiert, wie du schon richtig festgestellt hast nur durch die "weiche" Lagerung der Blatthalter, also die Dämpfung. Das mag man gar nicht glauben, da man die Blätter nur wenig nach oben und unten bewegen kann wenn man an den Blatthaltern "hebelt".

Kholdstare
07.10.2009, 08:46
Na gut, dann eine theoretische Frage. Machen wir anstatt der Dämpfergummis U-Scheiben aus Stahl rein, was passiert? Ist Nick/Roll komplett tot?

Meine eigentliche Frage, noch mal zum Blatthalter, er ist drehbar gelagert, mit Kugellager, d.h. die Kraft die wir benötigen um den zu drehen ist enorm klein.

Die Kraft die wir benötigen um den Blatthalter durch die Gummis zu neigen ist signifikant grösser.

Daher wäre es doch naheliegender, dass sich der Blatthalter bei nick vorne eher dreht (mehr Anstellwinkel) als neigt.

danousek
07.10.2009, 08:50
Ne ist es natürlich nicht. Die Neigung der Rotorebene (ohne dass sich der Heli hinterher bewegt) wird geringer, da sich nur noch die Blätter biegen werden. Der Heli wird dann auf Steuerbefehle direkter reagieren, da die Rotorebene den Rumpf "sofort" hinterher zieht

edit:

Die Blatthalter haben so viele Kugellager verbaut damit er auch noch unter der Zugbelastung die während der Drehung des Rotors entsteht, noch leicht zu drehen ist.

Denk noch mal über deinen letzten Satz nach, du hast da wohl grad nen Denkfehler drin (kenn ich nur zu gut ;) )

Eine Drehung des Blatthalters bei Längsposition des Blatts würde ja nichts bringen. Es ist ja auch nicht Aufgabe der Dämpfung die Rotorebene zu neigen, sondern nur die Schlagbewegungen der Blätter während der Steuereingaben abzuDÄMPFEN damits den Heli nicht zerlegt

spatz
07.10.2009, 08:51
häää?:unsure:
Es neigt sich der ganze Heli und nicht der Rotorkreis...

key2
07.10.2009, 09:02
häää?:unsure:
Es neigt sich der ganze Heli und nicht der Rotorkreis...

Moin,

ne, nicht am Boden, wenn man vorsichtig Nick gibt. Das ist die Dämpfung ...

Kuck mal genau hin!

interferenz
07.10.2009, 09:06
Wenn Du genau hinschaust und vor dem Start mit drehenden Rotoren die zyklische Steuerung bei 0 Grad Pitch checkst, wirst Du sehen, dass sich der Rotorkreis durchaus neigt, obwohl der Heli noch auf den Kufen steht. Er tut das halt im Rahmen seiner Kopfdämpfung. Manche manntragende Hubschrauber haben dafür extra Schlaggelenke eingebaut, bei uns reicht eine Gummilagerung.


Gruss
Volker

Männerzeugs
07.10.2009, 09:08
Die Rotorebene neigt sich, da sich durch die Auftriebs-Abtriebskräfte sowohl die Blätter, die Dämfung und die Rotorwelle verbiegen.

key2
07.10.2009, 09:13
Die Rotorwelle biegt sich nicht, das gäbe eine Unwucht...biegen tun sich nur die Gummidämpfer und die Blätter....

spatz
07.10.2009, 09:21
Moin,

ne, nicht am Boden, wenn man vorsichtig Nick gibt. Das ist die Dämpfung ...

Kuck mal genau hin!

Natürlich neigt sich der Rotorkreis anfangs in die Dämpfung...
nimmt dann aber den ganzen Heli mit.
Die Dämpfung ist nunmal dafür da solche Lastwechsel etwas zu kompensieren
ansonsten könnte die Belastung bei schnellen Manövern zu Bruch führen.
Die Hilsrotorebene (Paddel) die neigt sich tatsächlich und verstellt den Anstellwinkel der Rotorblätter je nach gesteuerter Richtung.

Wobei es auch Helis gibt bei denen sich tatsächlich der Rotor neigt.

Männerzeugs
07.10.2009, 09:36
Natürlich verbiegt sich die Rotorwelle elastisch. Die Biegung ist nicht sehr stark und in dem Fall nur nach vorne. Eine Unwucht entsteht dadurch nicht. Die würde nur bei einer statisch verbogenen Welle entstehen. Alle festen Stoffe verbiegen sich unter Last. Das ist Physik!

key2
07.10.2009, 09:42
Ups, ich glaube, das war ein Mistverständnis. Ich meinte es genauso, wie Du es geschrieben hast: Am Boden neigt sich der Rotor "in die" Dämpfung, der Heli bleibt aber auf den Kufen. Erst wenn die Kraft stärker wird, folgt der Rumpf der Bewegung.

Bei richtigen Helis neigt sich der Rotor, damit die Kabine nicht so schräg nach vorne hängt beim Flug (Komfortproblem).. Das wird meistens durch die Schlaggelenke realisiert.

key2
07.10.2009, 09:43
Natürlich verbiegt sich die Rotorwelle elastisch. Die Biegung ist nicht sehr stark und in dem Fall nur nach vorne. Eine Unwucht entsteht dadurch nicht. Die würde nur bei einer statisch verbogenen Welle entstehen. Alle festen Stoffe verbiegen sich unter Last. Das ist Physik!

Redest Du von der Hauptrotorwelle oder von der Blattlagerwelle??

Die Hautprotorwelle kann sich nicht verbiegen. Dafür müsste eine Kraft ähnlich der Zentrifugalkraft allerdings nur nach vorne gerichtet auf die Welle einwirken. Die ist nicht vorhanden. Die Schwenkbewegung des Rotorkreises wird von der Dämpfung erzeugt, somit scheidet die Kraft auch aus.

DerMitDenZweiLinkenHänden
07.10.2009, 09:53
Natürlich verbiegt sich die Rotorwelle elastisch. Die Biegung ist nicht sehr stark und in dem Fall nur nach vorne. Eine Unwucht entsteht dadurch nicht. Die würde nur bei einer statisch verbogenen Welle entstehen. Alle festen Stoffe verbiegen sich unter Last. Das ist Physik!

Mit Verlaub: das ist Unsinn. Wir reden hier von den relevanten Maßen, die dazu führen, dass sich eine Rotorebene verändern kann.

Kurt

johannes0309
07.10.2009, 09:55
Die Blattverbiegung ist wohl eher der Grund warum die Rotorebne geneigt erscheint. Einfach zu erklären: Beim SJM gibts keine Kopfdämpfung. Sowas braucht auch ein Heli nicht zwangsläufig. Die Kunstflug Bo von RedBull hat auch ein starren Rotorkopf, da sonst keine Loopings mit der Maschine geflogen werden könnten.
Durch die (vereinfacht) Kreiselpräzision werden ja die Blätter 90°Phasen verschoben angelenkt. (...) Gehen wir nun einfach mal davon aus, das beim Vorwärtsfliegen die Auftriebskraft auf der vordern Rotorhälfte geringer ist als auf der hintern. Dann fällt er ja quasi immer nach vorn und wird hinten hoch gedrück, wird aber durch den insgesamt mehr Pitch in der Luft gehalten. Soweit klar oder? Und nun steht der Heli auf den Boden, 0° Pitch. Bei etwas Nick gibt es am nach vornlaufendem Blatt weniger Auftrieb als am hintern bzw. bei 0° Pitch negativen Auftrieb. Somit wird das vordere Blatt runtergedrückt und das hintere hoch. Daraus resultiert eine verbiegung der gesamten Mechanik bzw gehts in die Kopfdämpfung, wobei ich der Meinung bin das man die nicht soooo sehr sieht (außer Kopfdämpfung wenn man eine hat). Eher wird man das verbiegen der Rotorblätter sehen und daraus eine Neigung der Rotorebene erkennen.

Gruß, Johannes

key2
07.10.2009, 10:05
Gut formuliert, auch wenn ich das Wort "Kreiselpräzision" nicht ganz verstanden habe in diesem Zusammenhang. Meines Wissens nach werden die Rotorblätter um 90° Phasenverschoben angelenkt, da das Blatt auch eine gewisse Zeit benötigt, dem Steuerbefehl zu folgen (Blaue Bücher: Heli-Flughtheorie). Durch das frühzeitige Anlenken hat das Blatt die Möglichkeit, sich optimal auszurichten um im Durchgang 0° (genau vorne) einen optimalen Wirkungsgrad zu erreichen. Aber das ist ein anderes Thema.

Kurz gesagt: Der Rotor "neigt" sich durch den unterschiedlichen Auftrieb der Rotorkreisfläche vorne und hinten. Die Neigung ist durch die Kopfdämpfung und die Elastizität der Rotorblätter möglich. (Punkt!).

Kholdstare
07.10.2009, 10:12
Um mein Beispiel noch etwas mehr auszuleuchten, damit es nicht wieder in der Kreiselpräzession Ecke landet, Folgendes.

Wir haben einen Heli am Boden stehen. Einen paddellosen Kopf, und zwar ohne Taumelscheibe, keinerlei Gestänge. Nur Zentralstück, Blattlagerwelle, Blatthalter, Blätter. Die Blätter sind wie normal drehbar gelagert.

Nun nehmen wir eine 1 Meter lange Stahlstange, machen darauf einen Kugelkopfpfanne. Diese befestigen wir an einem der Blatthalter.

Jetzt stehen wir mit beiden Füssen auf die Brakedisk/Bremscheibe auf dem Zentralstück. Mit der Stahlstange in der Hand können wir nun einen der Blatthalter auf- und abwärts bewegen. Wir können den Anstellwinkel des Blattes beiflussen, sagen wir von -30° - +30.

Jetzt lassen wir den Motor hochlaufen, und drehen uns im Kreis, da wir noch immer auf der Bremsscheibe stehen. Mal angenommen das geht, wir drehen uns mit einer Drehzahl von 2000U/min.

Bewegen wir nun die Stahlstange - und damit den Blatthalter - auf und ab - und jetzt mal EGAL ob 90° bevor oder nicht, dann müste doch genau dasselbe passieren, wie im Stand, d.h. dass wir nur den Anstellwinkel beeinflussen können, nicht aber die NEIGUNG.

edit: Johannes hat es gut erklärt, leuchtet ein!
key: Kreiselpräzession hat NIX mit der Neigung der Rotorkreisebene zu tun

esteban
07.10.2009, 10:26
Als RC-Helipiloten habt Ihr doch alle "Hubschrauber Ferngesteuert" gelesen oder?

Wenn nicht, zitiere ich mal den Goodfather of RC - Heli

Dieter Schlüter



Generell gilt: Will man die Rotorkreisfläche in Flugrichtung nach vorne neigen, muss das nach vorne laufende Blatt mechanisch so nach unten gesteuert werden, das es in Flugrichtung gesehen vorne die tiefste Position erreicht und das nach hinten laufende Blatt so nach oben gesteuert werden, das es hinten die höchste Position erreicht. Das gilt analog für alle anderen Flugrichtungen genau so. Das die dazu erforderliche Neigung der Taumelscheibe 90° zum Rotorblatt beträgt ist rein mechanisch bedingt.

Mal anders:

Den Heli von oben betrachten, der Rotor ist eine Uhr und dreht sich rechts herum. Vorne ist 12 Uhr, rechts 03 Uhr, hinten 06 Uhr, links 09 Uhr. Der Heli schwebt, die Rotorwelle steht senkrecht, die Blätter haben rund um die Uhr angenommen 5° Anstellwinkel um den Heli in der Schwebe zu halten. Jetzt soll der Rotorkreis 3° nach vorne geneigt werden. Das sieht dann für das vordere Blatt so aus:

12 Uhr: 5°+0°=5°
01 Uhr: 5°+1°=6°
02 Uhr: 5°+2°=7°
03 Uhr: 5°+3°=8° (stärkste zyklische Verstellung positiv)
04 Uhr: 5°+2°=7°
05 Uhr: 5°+1°=6°
06 Uhr: 5°+0°=5°
07 Uhr: 5°-1°=4°
08 Uhr: 5°-2°=3°
09 Uhr: 5°-3°=2° (stärkste zyklische Verstellung negativ)
10 Uhr: 5°-2°=3°
11 Uhr: 5°-1°=4°
12 Uhr: 5°-0°=5°
Das hintere Blatt beginnt zur gleichen Zeit bei 06 Uhr.


LG

Stephan

Männerzeugs
07.10.2009, 10:29
Ich glaube es macht keinen Sinn mehr über die Biegung der Welle weiter zu diskutieren, da dies nur theoretischer Natur ist und die richtige Beantwortung keinem weiterhilft.
Es wäre nur schön, wenn der Eine oder Andere mal nachdenkt, bevor er etwas schreibt. Und wenn man keine Ahnung hat.....
Kleiner Tipp noch: Jede Kraft erzeugt eine gleich große Gegenkraft

Mehr werde ich dazu nicht mehr sagen.

key2
07.10.2009, 10:58
@kholdstare: Dein Beispiel ist sehr anschaulich und nachvollziehbar ;) War das jetzt nur nochmal für die Verdeutlichung oder stellt sich Dir die Frage, warum sich die Rotorebene neigt, immer noch?

@Männerzeugs: Schade, dass Du die Diskussion darüber abblockst und so "pampig" reagierst.

esteban
07.10.2009, 11:00
Als RC-Helipiloten habt Ihr doch alle "Hubschrauber Ferngesteuert" gelesen oder?

Wenn nicht, zitiere ich mal den Goodfather of RC - Heli

Dieter Schlüter



Generell gilt: Will man die Rotorkreisfläche in Flugrichtung nach vorne neigen, muss das nach vorne laufende Blatt mechanisch so nach unten gesteuert werden, das es in Flugrichtung gesehen vorne die tiefste Position erreicht und das nach hinten laufende Blatt so nach oben gesteuert werden, das es hinten die höchste Position erreicht. Das gilt analog für alle anderen Flugrichtungen genau so. Das die dazu erforderliche Neigung der Taumelscheibe 90° zum Rotorblatt beträgt ist rein mechanisch bedingt.

Mal anders:

Den Heli von oben betrachten, der Rotor ist eine Uhr und dreht sich rechts herum. Vorne ist 12 Uhr, rechts 03 Uhr, hinten 06 Uhr, links 09 Uhr. Der Heli schwebt, die Rotorwelle steht senkrecht, die Blätter haben rund um die Uhr angenommen 5° Anstellwinkel um den Heli in der Schwebe zu halten. Jetzt soll der Rotorkreis 3° nach vorne geneigt werden. Das sieht dann für das vordere Blatt so aus:

12 Uhr: 5°+0°=5°
01 Uhr: 5°+1°=6°
02 Uhr: 5°+2°=7°
03 Uhr: 5°+3°=8° (stärkste zyklische Verstellung positiv)
04 Uhr: 5°+2°=7°
05 Uhr: 5°+1°=6°
06 Uhr: 5°+0°=5°
07 Uhr: 5°-1°=4°
08 Uhr: 5°-2°=3°
09 Uhr: 5°-3°=2° (stärkste zyklische Verstellung negativ)
10 Uhr: 5°-2°=3°
11 Uhr: 5°-1°=4°
12 Uhr: 5°-0°=5°
Das hintere Blatt beginnt zur gleichen Zeit bei 06 Uhr.

Diese zyklische Blattverstellung erfolgt nur für die Phase der Steuerung des Rotors in eine neue Lage. Dem Heli passiert zuerst einmal garnichts. Hier geht es um den Hauptrotor. Der und nur der soll seine Lage und damit Zugrichtung ändern. Ob der Heli dem folgt ist eine ganz andere Story und abhängig davon, wie "lose" oder "fest" er am Rotor befestigt ist. Gesteuert wird immer nur die Differenz zwischen Heli und Rotor, egal in welcher Position der Heli fliegt bzw. sich der Rotor befindet.


Nachtrag:


Trotzdem wirken beim Hubschrauber auch gewisse Kreiselkräfte und zwar dann, wenn - zum Beispiel durch eine Boe oder eine besondere Fluglage - von außen her Kräfte auf den Rotor einwirken die ihn in eine andere Lage zwingen wollen. Dabei kann es dann vorkommen, daß der Rotor mit einer durch die Präzession verursachten Kraft (unbeabsichtigt) um 90° versetzt.
Generell gilt:
Die Steuerung eines Hauptrotors in eine neue und gewollte Lage erfolgt nur mechanisch durch die zyklische Blattverstellung und nicht durch irgendwelche Kreiselkräfte.


LG

Stephan

Wolf
07.10.2009, 11:15
Als RC-Helipiloten habt Ihr doch alle "Hubschrauber Ferngesteuert" gelesen oder?

Wenn nicht, zitiere ich mal den Goodfather of RC - Heli

Dieter Schlüter



Generell gilt: Will man die Rotorkreisfläche in Flugrichtung nach vorne neigen, muss das nach vorne laufende Blatt mechanisch so nach unten gesteuert werden, das es in Flugrichtung gesehen vorne die tiefste Position erreicht und das nach hinten laufende Blatt so nach oben gesteuert werden, das es hinten die höchste Position erreicht. Das gilt analog für alle anderen Flugrichtungen genau so. Das die dazu erforderliche Neigung der Taumelscheibe 90° zum Rotorblatt beträgt ist rein mechanisch bedingt.

Mal anders:

Den Heli von oben betrachten, der Rotor ist eine Uhr und dreht sich rechts herum. Vorne ist 12 Uhr, rechts 03 Uhr, hinten 06 Uhr, links 09 Uhr. Der Heli schwebt, die Rotorwelle steht senkrecht, die Blätter haben rund um die Uhr angenommen 5° Anstellwinkel um den Heli in der Schwebe zu halten. Jetzt soll der Rotorkreis 3° nach vorne geneigt werden. Das sieht dann für das vordere Blatt so aus:

12 Uhr: 5°+0°=5°
01 Uhr: 5°+1°=6°
02 Uhr: 5°+2°=7°
03 Uhr: 5°+3°=8° (stärkste zyklische Verstellung positiv)
04 Uhr: 5°+2°=7°
05 Uhr: 5°+1°=6°
06 Uhr: 5°+0°=5°
07 Uhr: 5°-1°=4°
08 Uhr: 5°-2°=3°
09 Uhr: 5°-3°=2° (stärkste zyklische Verstellung negativ)
10 Uhr: 5°-2°=3°
11 Uhr: 5°-1°=4°
12 Uhr: 5°-0°=5°
Das hintere Blatt beginnt zur gleichen Zeit bei 06 Uhr.

Stephan

Du wiedersprichst Dir eben selber. Die tiefste Position hat es 90 Grad vorher, nämlich bei 9 Uhr

Schlüter ist bestimmt der Godfather des Heli-Modellbaus, aber kein Physiker.........

Gruß,
Andreas

DerMitDenZweiLinkenHänden
07.10.2009, 11:21
Du wiedersprichst Dir eben selber. Die tiefste Position hat es 90 Grad vorher, nämlich bei 9 Uhr

Den geringsten Anstellwinkel hat es vorher.
Den tiefsten Punkt erreicht es aber vorne.

Kurt

the.bass
07.10.2009, 11:22
Ich glaube es macht keinen Sinn mehr über die Biegung der Welle weiter zu diskutieren, da dies nur theoretischer Natur ist und die richtige Beantwortung keinem weiterhilft.
Es wäre nur schön, wenn der Eine oder Andere mal nachdenkt, bevor er etwas schreibt. Und wenn man keine Ahnung hat.....
Kleiner Tipp noch: Jede Kraft erzeugt eine gleich große Gegenkraft

Mehr werde ich dazu nicht mehr sagen.

Schade, dass Du nicht mehr teilnehmen willst, mich hätte interessiert um wieviel sich die Welle Deiner Meinung nach verbiegt - in Grad oder in Millimeter.....

Mehr werde ich dazu nicht mehr sagen außer hiermit dezent und freundlich auf meine Signatur hinzuweisen.

Frankie

Klaus Ortner
07.10.2009, 11:28
Leutz, nu bleibt bitte mal sachlich.

Kholdstare
07.10.2009, 11:28
@Männerzeugs: Ist schon klar dass unter gewissen Umständen sich die Rotorwelle um 0.0000000000000001 Mikron sich verbiegen könnte - nur ist das nicht das Thema und das Verbiegen der Rotorwelle (wenn überhaupt in der Praxis nachweisbar was ich bezweifle) führt wohl kaum zu der im Beispiel genannten erforderlichen Neigung der Rotorkreisebene im Vorwärtsflug. Somit kann uns Dein Beitrag hier eher wenig helfen - weil es schlicht weg nix zur Sache tut.

@key: Jo, ist soweit klar, wollte das Beispiel nur noch einmal nachdrücken. Aber jetzt habe ich dennoch was gefunden :)

Angenommen, der Heli steht am Boden im luftleeren (Vakuum) Raum. So, selbes Spiel, bei 0 Pitch anlaufen lassen und Nick nach vorne geben. Jetzt dürfte sich die Rotorkreisebene NICHT neigen, weil die Blätter im luftleeren Raum keine Wirkung haben.

Auch ein Weg um zu erklären warum Kreiselpräzession hier nix zur Sache tut.

;)

Taumel S.
07.10.2009, 11:37
Ich glaube es macht keinen Sinn mehr über die Biegung der Welle weiter zu diskutieren
Die Hauptrotorwelle kann sich unmöglich relevant verbiegen! Die ist hart wie Männerzeugs!

key2
07.10.2009, 11:41
Männerzeugs ist auch unterschiedlich hart. Im Alter meist weicher als in jungen Jahren :D

weich ist weich,
hart ist hart,
immer weich ist auch hart..

Back2topic: Thema geklärt! Klasse! *applaus*

Wolf
07.10.2009, 11:48
Den geringsten Anstellwinkel hat es vorher.
Den tiefsten Punkt erreicht es aber vorne.

Kurt

Das meinte ich ja damit. Der negativste Anstellwinkel 90 Grad vorher, damit vorne dann der tiefste Punkt der Rotorkreisebene erreicht wird. Die Wirkung kommt ja 90 Grad später.


Andreas

P.S. Sehe gerade dass es Hr. Schlüter auch so gemeint hat........O.K. nehme alles zurück:-)

the.bass
07.10.2009, 11:49
Leutz, nu bleibt bitte mal sachlich.

Alles klar, sorry.

Anderen einen Rat zu geben und ihn aber gleichzeitig selbst zu missachten hat mich zum Sarkasmus hinreissen lassen. War nicht persönlich gemeint, Männerzeugs. Und es hat auch nichts mit unterschiedlichen Meinungen zu tun, sondern war nur meine Reaktion auf Deinen "Rat an den Einen oder Anderen".

LG
Frankie

Snowman2
07.10.2009, 12:20
Angenommen, der Heli steht am Boden im luftleeren (Vakuum) Raum

Im Vakuum hättest du keine Auf- oder Abtriebskräfte mehr, damit würde sich die Rotorebene auch nicht mehr neigen. Die Neigung der Rotoreben ist eh relativ klein denke ich. Die Paddelebene wird sehr viel mehr geneigt. Bei der Rotorebene hast du auch nur eine Auf- oder Abtriebskräft wenn sich der Rotor dreht. Durch diese Kraft biegen sich die Rotorblätter bzw. die Blattlagergummis.

esteban
07.10.2009, 12:21
Du wiedersprichst Dir eben selber. Die tiefste Position hat es 90 Grad vorher, nämlich bei 9 Uhr

Schlüter ist bestimmt der Godfather des Heli-Modellbaus, aber kein Physiker.........

Gruß,
Andreas

Hey,

wenn schon, dann würde der Dieter S. sich hier widersprechen,
mit Verlaub, das glaube ich nicht.

Ich würde das so interpretieren: du gibst aus dem stabilen Schwebeflug eine Steuerbewegung NICK vorne. dabei handelt es sich ja nur um eine
kurze Knüppelbewegung du hältst den Knüppel ja nicht vorne sondern steuerst die dann erreichte Lage wieder aus.

Wenn du dir jetzt die Rotorfläche als CD vorstellst

-linkes Rotorblatt 9 Uhr tiefster (positiver) Punkt (zyklisch) 09 Uhr: 5°-3°=2°
-rechtes Rotorblatt 3 Uhr höchster (negativer Punkt (zyklisch) 03 Uhr: 5°+3°=8°


Die Bewegung erfolgt auf 90° also 12 Uhr.

Tomy85
07.10.2009, 12:37
Angenommen, der Heli steht am Boden im luftleeren (Vakuum) Raum. So, selbes Spiel, bei 0 Pitch anlaufen lassen und Nick nach vorne geben. Jetzt dürfte sich die Rotorkreisebene NICHT neigen, weil die Blätter im luftleeren Raum keine Wirkung haben.

Auch ein Weg um zu erklären warum Kreiselpräzession hier nix zur Sache tut.

;)


Dann wird sich der ganze heli sicher drehen weil der Heckrotor auch keine Wirkung mehr hat oder?

emce
07.10.2009, 12:58
Dann wird sich der ganze heli sicher drehen weil der Heckrotor auch keine Wirkung mehr hat oder?

Setzen, 5 !!! :unsure:

the.bass
07.10.2009, 13:04
Dann wird sich der ganze heli sicher drehen weil der Heckrotor auch keine Wirkung mehr hat oder?

Du kannst Pitch geben wo Du willst, mit oder ohne Heckrotor, es passiert nix. Das Drehmoment liegt zwar an, aber es wirkt sich nicht (oder ein wenig, wenn es sich ändert?) aus, weil ja keine Luft da ist, die dagegen wirken könnte.

LG
Frankie

DerMitDenZweiLinkenHänden
07.10.2009, 13:10
Das meinte ich ja damit. Der negativste Anstellwinkel 90 Grad vorher,

OK, das meintest du. Geschrieben hast du aber

Die tiefste Position hat es 90 Grad vorher, nämlich bei 9 Uhr


Also entweder hat es vorher die tiefste Position oder den "tiefsten" (geringsten) Anstellwinkel.

-_-

Kurt

key2
07.10.2009, 13:13
Der Heli dreht sich dann nicht, weil er mit den Kufen am Boden "fest" ist. Würde der Heli frei im Vakuum schweben, hätten wir einen schönen "Brummkreisel" ;)

johannes0309
07.10.2009, 13:33
Der Heli dreht sich dann nicht, weil er mit den Kufen am Boden "fest" ist. Würde der Heli frei im Vakuum schweben, hätten wir einen schönen "Brummkreisel" ;)

Selbst dann nicht, da im Vakuum ja überhaupt kein Moment durch Luftwiderstand erzeugt wird, wenn das System einmal in ruhe dreht (ohne beschleunigungen) gibt es ja keine "freien" Momente mehr.

Und Snowmann2 hat auch recht, es würde nix passieren die Paddel hätten ja auch keine Wirkung mehr, sodass dies nicht die Blätter steuern könnten. Nur allein die Lagerreibung würde das System anlenken. Bei FBL würde im luftleeren Raum zwar die Blätter den Anstellwinkel ändern, aber passieren tut nix (wie auch wenn nix um den Heli ist).
Der rest wurde ja schon geklärt.

Gruß, Johannes.

key2
07.10.2009, 13:41
Selbst dann nicht, da im Vakuum ja überhaupt kein Moment durch Luftwiderstand erzeugt wird, wenn das System einmal in ruhe dreht (ohne beschleunigungen) gibt es ja keine "freien" Momente mehr.


Ja, so stimmt das auch. Allerdings habe ich einfach mal angenommen, dass die ganze Lagerreibung + evtl. Drehzahlschwankungen usw... dazukommen. Man könnte es nun noch weiter ausbreiten und sagen: Das System fängt an zu kreiseln, wenn Pitch mit Gas gekoppelt ist (Gaskurve) und man Pitch ändert. Durch die Massenträgheit des Rotors entsteht dann wieder ein Moment, das den Heli in Rotation versetzen würde...

Ich glaube, wir könnten das hier unendlich fortführen und immer neue Annahmen treffen. Im Grunde wissen wir doch alle, worums geht oder? -_-

the.bass
07.10.2009, 13:42
Sehe ich wie Johannes.
Ich nehme einmal den Vergleich mit einer Bohrmaschine - die wirkt ja auch wie ein Heli im Vakuum, da der Luftwiderstand des drehenden Bohrers zu vernachlässigen ist.

Man spürt beim Starten der Maschine nur einen kurzen "Kick" im Handgelenk, weiters nichts mehr. Immer vorausgesetzt der Bohrer ist frei in der Luft und nicht im Begriff sich gerade irgendwo reinzuarbeiten.

Sorry für's OT.

Frankie

DerMitDenZweiLinkenHänden
07.10.2009, 13:49
einer Bohrmaschine - die wirkt ja auch wie ein Heli im Vakuum

:unsure:

Du hast einen tollen Dealer.

:jippiyeah: :dance: :jippiyeah:

Kurt

Klaus13
07.10.2009, 14:01
Mann Leute,

habe den anfänglich spannenden Thread nun komplett durch und bin am Ende froh, dass alle unsere Helis trotzdem fliegen; auch wenn wir nicht immer so genau wissen warum :lol:

Gruss Klaus

the.bass
07.10.2009, 14:09
:unsure:

Du hast einen tollen Dealer.

:jippiyeah: :dance: :jippiyeah:

Kurt

Nur kein Neid, alles mein Zeugs....

:lol:

Frankie

Klaus Ortner
07.10.2009, 14:13
Mann Leute,

habe den anfänglich spannenden Thread nun komplett durch und bin am Ende froh, dass alle unsere Helis trotzdem fliegen; auch wenn wir nicht immer so genau wissen warum :lol:

Gruss Klaus

Das ist ein passender Schlußsatz.
Ich mache hier dicht, kommt sowieso nur noch OT, trotz Ordnungsaufruf.

CLOSED