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Vollständige Version anzeigen : Hubschrauber 2020


Martin Achter
08.11.2003, 17:14
N'Abend Leute!

Ich habe vorgestern der interessantesten Vorlesung meines Studentenlebens beigewohnt! Leider habe ich den Seminartermin erst am Morgen des selben Tages erfahren, sonst hätte ich Euch das schon mittgeteilt, da die Veranstaltung für jederman zugängig war. Thema des Seminars war "Hubschrauber 2020", und wurde vorgetragen von Dipl.-Ing. Michael Stephan (Leiter für Forschung und Technologie, Eurocopter). Während des Vortrages bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Während des 90-minütigen Vortrages wurde über die allerneuesten Technologien, Entwicklungen und Projekte bei Eurocopter referiert. Mir sind dabei unzählige Ideen durch den Kopf geschossen, die sich auch in unserem Maßstab realisieren lassen, oder die zumindest für interessante Detaillösungen übertragbar wären. Hier nun das Wesentliche:

-> Gelenkfreie Rotorblattaufhängung- und Ansteuerung:
Die Technik dürfte allen EC 135 und EC 145 Modellpiloten ja bekannt sein. Mittels eines Torsionselementes und einer 2-Punkt-Rotorkopfbefestigung, lassen sich die Rotorblätter wesentlich schneller und präziser ansteuern. Zudem ist der Hubschrauber extrem agil, was in der künftigen Fly-by-Light-Steuerung unerläßlich sein wird! Zudem wird das an der Hauptrotorwelle anliegende Moment extrem verringert!

-> Fly-by-Light:
Was bei uns Modellhubschrauberpiloten bereits gangundgängig ist, erhält nun auch bei den Einszueinsern Einzug! Bei uns heißt es Fly-by-Wire, was durch die Funktechnik unerläßlich ist!. In realen Helis werden die Steuerbefehle allerdings immer noch über konventionelle Gestänge übertragen, die allenfalls Servo- bzw. Hydraulikunterstützt sind. Eine starre Verbindung ist (wie die Lenkstange im Automobil) leider immer noch aus Sicherheitsgründen gesetzlich vorgeschrieben. Zukünftig soll die Steuerung ähnlich wie bei Kampf- und Pasagierjets vom Computer übernommen werden. Die Daten werden dabei über Lichtleiterkabel übertragen, deshalb auch "Fly-by-Light". Zur Zeit existieren schon einige Prototypen, die mit diesem System ausgerüstet sind, allerdings ist dabei für den Piloten im Notfall immer noch die Möglichkeit gegeben, ein Gestänge einzukoppeln!

-> Beseitigung "Knattereffekt":
Wer von uns kennt nicht dieses einmalige, inniggeliebte Flappergeräusch einer Bell UH-1D beim Schweben, und im Landeanflug. Liebhaber: haltet es gut in Erinnerung, denn lange wird es diesen Sound nicht mehr geben! In der Zivilen und Militärischen Luftfahr ist es eben zum Ziel gesetzt worden, jeglichen Lärmpegel zu reduzieren. Ursache dieses Knattereffektes, sind die Luftwirbel, die ein bewegtes Rotorblatt erzeugt. Den eigentlichen Knall erzeugt dann das Rotorblatt, das in diesen Luftwirbel hineinschlägt. Durch eine neuartige Profilgebung der Rotorblätter (ist im Übrigen äußerst kantig), und kurze zyklische Ausschläge kann dieser Luftwirbel so abgelenkt werden, daß er circa 30cm unter dem nachfolgenden Blatt hindurchsaust. Et voila: der Heli klingt nun wie im Geradeausflug!

-> "Klappen" an Rotorblättern:
Da ein Rotorblatt ebenso wie eine Flügelfläche "nur" ein Auftriebskörper ist, lassen sich auch dort aerodynamische Klappen anbringen, die die Auftriebskräfte lenken können. Dies wir mittels piezoelektronischer Bauelemente (Keramiken, die unter elektrischer Spannung ihre Form ändern) realisiert, da auch diese "Klappenausschläge" zyklisch erfolgen müssen. Dies führt zur Wirkungsgradsteigerung und Momentenveringerung. Die Spannungen sollen berührungslos via Induktionsspulen an die Blätter weitergeleitet werden. Der Erstflug eines Prototyps ist für März 2004 geplant.
Auf diese Technologie setzt Eurocopter seine größten Hoffnungen, da mit ihr künftig die "Hubschrauberschallmauer" von 350km/h durchbrochen werden könnte! Geplant sind sind Reisegeschwindigkeiten von 650-700km/h bis 2020. Mittels dieser Piezokeramiken lassen sich die Blätter während des Fluges und zyklisch in jede beliebige Form bringen. D.h. das Blatt kann in sich torrodiert werden. Ebenso kann das Profil geändert werden. Beim schnellen Geradeausflug kann der Stall-Effekt des rücklaufenden Blattes unterbunden werden, indem durch ändern des Anstellwinkels oder Umkehrung des Profils die Strömung wieder aufgebaut wird. Sensoren auf der Blattoberfläche messen den Luftdruck und Strömungsverlauf. Ein Computersystem erkennt diese, und leitet Gegenmaßnahmen ein, die durch die Piezoelemente umgesetzt werden.

-> Taumelscheibe ade:
Die Taumelscheibe in Helikoptern gehört laut Eurocopter schon jetzt der Vergangenheit an. Künftig sollen alle Blattbewegungen von Elektromotoren oder Piezoelementen ausgeführt werden. Die Steuerbefehle, und die dafür nötigen Ströme und Spannungen werden berührungslos via Induktionsspulen an den Rotorkopf übertragen. Auf selbigem Wege findet eine Rückübertragung zukünftiger Sensorsignale statt. Fly-by-Light hat dann die Serienreife schon längst erlangt, und kann optimal in das Gesamtsystem integriert werden. Der kompletten Systemvernetzung um gesamten Hubschrauber steht also nichts mehr im Wege!

-> Gewichtsreduzierung:
Leichtbaumaterialien vie Faserverbundwerkstoffe und neue Metallegierungen sowie Keramiken haben bereitz jetzt schon Einzug in die modernen Hubschrauber erhalten. So konnte das Leichtgewicht von 105kg einer Aluzelle auf stoltze 70kg gesenkt werden. Und das bei besseren Festigkeitswerten und besserem Crashverhalten. Zudem wurden Verfahren entwickelt, mit denen (durch evtl. harte Landungen) beschädigte Kunststoffzellen repariert werden können. Die "geflickte" Zelle weist mit diesen Methoden die selben Festigkeitswerte auf, wie vor der Beschädigung! Herr Dipl. -Ing. Stephan hatte da noch eine kleine Anekdote auf Lager: "Ein Entwicklungsingenieur meinte, daß wir die Zellenwände nicht noch dünner gestalten dürften, da sonst ein Mechaniker, der über die Kufen des Helis stolpert, in die Zelle einbrechen würde!"
Auch die Triebwerkshersteller übertreffen sich in der Leichtgewichtigkeit der Produkte. Lediglich die Rotorblätter könne man nicht mehr leichter gestalten, da sie dann nicht mehr Autorotationsfähig wären!

-> Navigation:
Gerade durch die Verbesserung der Navigations- und Orientierungsinstrumente sieht Eurocopter eine Reduzierung der Unfallzahlen von 10 Unfällen pro eine Million Flugstunden auf lediglich 3 Unfälle. Große Hoffnungen werden da auf ein Radar im Gigaherzbereich gesetzt, leider ist der derzeitige Hersteller und Entwicklungsträger dieser Systeme aus dem Bereich ausgestiegen, sodaß hier ein neuer Hersteller gfunden werden muß. Da alle bereitsvorhandenen Sichtsystem (Radar, Laser, Infrarot, Echolot, Restlichtverstärker, GPS, etc.) unterschiedliche Schwachstellen aufweisen, dürfen sie nur zur Unterstützung des Piloten verwendet werden. Es gelten daher immer noch die Schlechtwettereinschränkungen von Hubschraubern, da sich der Pilot nicht 100%-tig auf diese Systeme verlassen darf. (Stromleitungen werden z.B. vom Infrarot nicht erkannt. Dies wiederum könnte ein Lasersystem, welches wiederum einen schneebedeckten Hang nicht als Hindernis einstufen würde....). Letztenendes, so Dipl. -Ing. Stephan, würde es auf die Kombination verschiedener Systeme hinauslaufen, um eine 100%-tige Objekterkennung zu gewährleisten! Selbiges gilt für neuentwickelte Navigationsgeräte, die Anflugkorridore auf ein HUD projezieren, bzw. diese mittels Hologrammen (Focus unendlich, daher keine Entfernungsanpassung des Menschlichen Auges) oder großformatigen LCD-Displays darstellen.
Größtes Problem dieser Technologien dürften die nötigen Gesetzesänderungen für deren serienmäßigen Einsatz sein.

-> Abschaltbarer Drehmomentausgleich:
Für den Hubschrauber 2020 ist ein weiteres Projekt in Vorbereitung, undzwar ein Drehmomentausgleich, der abschalktbar ist, wenn er nicht benötigt wird, z.B im schnellen Geradeausflug. Herr Stephan stellte sich da einen Fenestron vor, den man bei Nichtbedarf auskoppeln könnte um den Energieverbrauch zu reduzieren, und die Geräuschentwicklung zu verringern. Zugunsten der Aerodynamik könnten dann zwei Bleche (ähnlich wie beim Fahrwerk) die Ein- und Auslaßöffnungen des Fenestrons verschließen. Man überlegt sich da auch schon seperate Antriebe auf Elektromotoren- oder Hydraulikbasis, für einen reaktionsschnellen Drehmomentausgleich.




Ausblick:
Letztenendes führt alles auf eine Verbesserung der Aerodynamik, und zur Minimierung der Betriebskosten. Hubschrauber werden noch vielfältiger einsetzbar, schneller und vorallem wirtschaftlicher. Da der Hubschrauber ein gutes Jahrhundert jünger ist, als das Flugzeug, können bei gleichem finanziellem Aufwand wesentlich größere Fortschritte in der Entwicklung erziehlt werden.


Ich hoffe Ihr fandet diesen Bericht genauso interessant, wie ich die Vorlesung. Leider kann ich zu den einzelnen Punkten nicht weiter ins Detail gehen, da dies jeden Rahmen sprengen würde. Es war eh eine Leistung, daß Herr Stephan dies alles in 90 Minuten untergebracht hatte!

RV
08.11.2003, 17:47
Hey, super gemacht!

Da bin ich mal auf die Zukunft gespannt.

freyenb
10.11.2003, 07:15
Hallo Martin,

super Bericht von Dir, hochinteressant !!! :)

Da ist selbst mir davon sehr viel neu (ich arbeite bei Eurocopter). Zum Thema "-> Fly-by-Light:" fällt mir noch ´ne kleine Korrektur ein: der NH90 fliegt bereits seit etlichen Jahren mit "Fligh-by-Wire".

Auch ich bin wirklich gespannt, was die echte -aber auch die Modellbau- Helifliegerei die nächsten Jahre noch so bringen wird... ;)

Euroheli
10.11.2003, 07:43
Hallo Bernd

Hatte letzte Woche das Vergnügen, die Fa. Eurocopter besichtigen zu dürfen. War höchst interessant. Das muss ja wirklich grossen Spass machen bei so einer Firma arbeiten zu dürfen (Neid! ;)
Hochinteressant auch die Fertigung der Rotorblätter. Die Vorteile des gelenklosen Rotorkopfes habe ich leider immer noch nicht richtig kapiert.

Grüsse nach Donauwörth!

freyenb
10.11.2003, 08:35
Hallo Hans,

das muß ich etwas relativieren. :) Ich arbeite am Standort Ottobrunn. Dort sieht man nicht ganz so viel von der (Serien)-Fertigung. Außerdem arbeite ich im Software-Sektor. Genauer: Ich entwickle mit an der Avionik-Software für den NH90. Das heißt nicht, daß die Arbeit weniger interessant ist, aber man sieht nicht so viel von der Hubschrauber-Technik selbst. :(

Schöne Woche,

Bernd (der wieder ne verdammt stressige Woche vor sich hat...).

Martin Achter
10.11.2003, 21:05
Hi Bernd!

Znächst freut es mich, daß sich die Tipparbeit gelohnt hat!

Daß der NH-90 mit Fly-by-Wire ausgestattet ist, ist mir neu! Weißt Du denn, ob da optional im Notfall ein Gestänge einkoppelbar ist? Müßte ja eigentlich schon, wenn man den gesetzlichen Auflagen entsprechen möchte. Allerdings gelten für Militärfahrzeuge wiederum andere Auflagen (Beispiel: verbot von Fallschirmen in Ziviljets und Erlaubnis in Militärjets...).

Wenn ich (irgendwann mal nach 30 Semestern... :)) :)) :)) ) mein Dipl.-Ing. MaschBau habe, werde ich mich auch um eine Stelle bei Eurocopter bemühen -mal sehen, ob die dann noch Leute brauchen... Allerdings liegt mein fachliches Interessengebiet eher in der Thermodynamik - fühle mich daher eher zur Triebwerksentwicklung hingezogen. MTU wäre ein Traum... :loeblich: Da werde ich wohl, ähnlich wie Du, nur selten nen echten Heli zu Gesicht bekommen... ;( !

Martin Achter
10.11.2003, 21:18
@Hans:

Der wesentliche Vorteil in den Gelenkfreien Rotoren liegt darin, daß das Drehmoment, welches auf die den Heli wirkt, erheblich reduziert wird. Erklären kann ich es Dir nicht, da das mit extrem komplizierten (auch aus der Sicht der beim Vortrag anwesenden Professoren) Rechenverfahren bewiesen werden kann. Aber soviel kann ich dazu sagen: wer einmal ein statisch belastetes Bauteil rechnerisch analysiert hat, weiß welche Momente und Spannungen alle auftreten. Es ist schon ziemlich kompliziert die Kräfte in einem torrodierten U-Profil zu berechnen. Dementsprechend kraß ist das dann bei einem dynamisch belasteten Rotorblatt.

Wie gesagt: die EC 135/145 Fans dürften folgendes wissen: Da gibt es doch diese "komischen" Metallkugeln, die scheinbar ohne Grund an jedem der fünf Blätter befestigt sind (ca. 1/5tel Blattlänge vom Kopf entfernt). Dies sind "Schlaggelenksimulatoren", die die sehr agil gewordenen Flugeigenschaften wieder entschärfen, ohne die Drehmomentreduzierung zu Beeinträchtigen.

QuaX
10.11.2003, 21:51
Hallo,
der wesentliche Vorteil von gelenklosen Rotoren liegt in der Reduktion der Bauteile und dadurch geringeren Gewicht und Wartungskosten.
Wie das Drehmoment reduziert werden kann, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das ist dann doch wohl eher von der Antriebsleistung und der Drehzahl abhängig.

Die EC135 und die EC145 haben Vierblattrotoren.
Die bei der EC145 und auch bei den älteren BK Versionen an den Rotorblättern angebrachten "Kugeln" sind Schwingungstilger.

Viele Grüße

QuaX

eworm
10.11.2003, 22:09
Hallo!

Hat irgend jemand Bilder vom Rotorkopf der EC135/145? Würde mich mal interessieren wie das genau ausieht, bisher wusste ich gar nicht, dass es da sowas besonderes gibt...

Gruß
Christian

Daniel Jetschin
10.11.2003, 22:51
Also mir gefällt dieser ganze High-tec Krempel nicht.....
Kein Blattschlagen mehr....Pfff....Also dann können sie auch gleich die Helis
ausmustern und Komplett neue Fluggeräte Entwickeln,mit Turbinen oder so...

Martin Achter
10.11.2003, 23:33
Hi QuaX!

Tut mir leid - Du hast mit den 4 Blättern natürlich recht. Da hab' ich mich wohl verzälhlt.... :rolleyes:

Auch mit der Reduzierung der Wartungskosten hast Du recht.

Was aber nicht stimmt:
-> Die Antriebsleistung hat nichts mit dem Drehmoment zu tun!!! Bitte niemals Drehmoment mit Leistung verwechseln!

-> Nur weil Du Dir das mit der Momentenverringerung nicht vorstellen kannst, muß das nicht stimmen. Das auftretende Rotormoment ist beim Heli absolut unerwünscht, und entsteht durch die Blattquerkräfte (je nach Anstellwinkel) und den Blattwiderstand. Bei einem theoretisch perfekten Rotor wird nur Auftriebskraft erzeugt, und es tritt nur das Moment der Auftriebskräfte integriert über die Blattlänge mal der Blattzahl auf. Diesem theoretisch perfekten Rotor kann man sich nur annähern - man wird ihn nie erreichen.
Bei der Berechnung solch eines dynamischen Momentes spielt noch einiges mehr eine Rolle, als das Turbinenmoment!!!

-> Mit der Gewichtsreduzierung hat das recht wenig zu tun! Das Gewicht der Kugeln ist wohlweislich plaziert worden. Außerdem dürfen Rotorblätter wie bereits oben genann ein Mindestgewicht nicht unterschreiten, um autorotationsfähig zu bleiben! Ein sehr abstrakter Vergleich wäre unser Bell-Hiller-Paddel mit diesen Kugeln...

-> Schwingungstilger:
Ist übrigens noch ein Punkt, den ich im ersten Beitrag vergessen hatte. Wird auch über Piezoelektronische Lager realisiert, die antizyklisch zum Getriebe schwingen, und sich damit beide Schwingungsamplituden wegaddieren (die Lager sind zwischen Kabine und Getriebe...). Der Innengeräuschpegel kann damit um bis zu 11 dB (ICAO) gedämpft werden!!!
Woher hast Du die Info, daß das Schwingungstilger sein sollen?


Also insgesamt glaub' ich einfach mal, was mir der Entwicklungschef von Eurocopter erzählt hat - wer da anderer Meinung ist steht unter Beweisplicht :P :rolleyes: !!!

@eworm:
Guck mal bei Eurocopter (http://www.eurocopter.com) oder malträtier' mal die Suchmaschine - Bilder gibt es da zu genüge...

@Daniel:
Super Einstellung zur Technik... X( ...warum gehst Du nicht einfach Schiffchenfahren?!?





http://www.eurocopter.com/ec145/img/00helico.jpg
Kurz hinter den Torsionselementen sind die "Kugeln" zu sehen - leider unscharf. Aber jetzt wißt Ihr ja, wonach Ihr Ausschau halten könnt.

Michael Stenger
11.11.2003, 07:13
Hallo,

also ich muß da Daniel recht geben !
Was bringt die gesamte Technikwut ?

Ein paar weniger dBa ABER:
- mehr Technik. mehr was kaputt gehen kann
- höherer Wartungsaufwand
- höhere Kosten
- evtl. sogar mehr Gewicht ( in der Gesamtsumme )
- bei mehr elektrifizierung weniger Sicherheit
ect... X(

Das alles NUR weil der heli ein wenig leiser werden soll ? Evtl. noch einen tick ruhiger in der Luft liegt ??
Na ich weis nicht.....

Grüße
Michael

PS: Martin, ich habe es nicht vor Schiffe zu bauen :P

Swiss UAV AG
11.11.2003, 07:32
Hallo Martin,

ich glaub, der QuaX weiß wovon er spricht.....der konstruiert nämlich echte Rotoren und Rotorblätter...und nun rate mal wo....

Grüße,

Elliot

JD
11.11.2003, 07:33
hi,

schön und informativ geschrieben.

aber auch ich will knatterton der blätter behalten. beim rumturnen und beim schweben kann man damit auch sehr schön ankommende windböen hören.

interessant könnte es werden, wenn mal ein kabelsystem für servos kommt welches ähnlich einem schienensytems teleskopierbar wäre (z.b.: heckservo). immer die ideallänge vorhanden, einfach zu befestigen, abriebsfest.
oder doch eher eine art elektronenkatapult für längere strecken einsetzen und lichtbögen fabrizieren?

gruß
jd

ps: schiffe fliegen nicht so lang und so hoch ;)

freyenb
11.11.2003, 15:19
Hallo Martin,

doch, doch, die Prototypen PT3 und PT4 des NH90 flogen von Beginn an (d.h. 1998 / 1999) mit "Fly-by-Wire". Aber: nur auf der Pilotenseite!!! Die Copilotenseite hatte nach wie vor mechanisch/hydraulische Steuerung als Backup.
In diesen Monaten werden beide Prototypen in einer groß angelegten "Layup"-Phase unter Anderem komplett auf "Fly-by-Wire" umgerüstet (für die Vorserien-Fertigung).

An Michael Stenger:
Da hast Du wohl was mißverstanden! Wie QuaX schon in einem Beitrag weiter oben schreibt, macht man gelenklose Rotoren zum Einsparen von Bauteilen, Gewicht und Wartungszeit/-kosten bzw. im Umkehrschluß zum Senken von möglichen Unfallquellen!!!! Das macht doch in jedem Fall Sinn, oder nicht ?(

Hubi Holg
11.11.2003, 15:49
Hallo Martin
guter Bericht und vor allen Dingen gut nachvollziehbar wiedergegeben.
War sehr informativ,super.

Gruß Holger

Martin Achter
11.11.2003, 18:31
Servus!

Also ich möchte ja hier niemandem gegen das Schienbein treten. Ich habe lediglich versucht, die Fakten wiederzuspiegeln, über die Herr Dipl.-Ing. Stephan referierte. Ich gehe mal davon aus, daß der weiß wovon er spricht. Ich bin aber trotzdem gerne offen für die Ansichten Anderer. Also wenn QuaX bei Eurocopter Rotoren baut, dann kann er es sicher selber sagen und braucht sich nicht auf den Schlipps getreten zu fühlen. Auch eine wissenschaftliche Begründung käme meinem Verständnis für seine Sicht der Dinge sehr entgegen.

Wie QuaX und freyenb schon sagten, werden die Helis unterm Strich wartungsfreundlicher. Der Anschaffungspreis ist in den letzten 4 Jahrzehnten nahezu linear angestiegen, dafür sinken die Wartungs- und Betriebskosten überproportional! (Im Übrigen sind 11 dB (ICAO) nicht ein "paar" dB, sondern ca. 3/4 Geräuschredunzierung im Innenraum. Man benötigt also keine Sprechfunkanlage und "Mickymäuse" mehr in der Kabine - also ein wesentlicher Komfortgewinn!!!)

@o_nee:

Keine Angst wegen dem Knattern. Die Anforderungen, die an die Einszueinser gestellt werden gelten ja noch lange nicht für uns - oder hast Du schon mal ne Bell UH-1D o.Ä. auf dem Kopf schweben sehen?!?! :D Oder nen nen 3D-NT im Maßstab 1:1?!? :P :P :P

Michael Stenger
11.11.2003, 19:26
@freyenb ( Bernd )

Will nicht alles was ich meine posten aber als Beispiel WAS ich meine:

-> Taumelscheibe ade:
Die Taumelscheibe in Helikoptern gehört laut Eurocopter schon jetzt der Vergangenheit an. Künftig sollen alle Blattbewegungen von Elektromotoren oder Piezoelementen ausgeführt werden. Die Steuerbefehle, und die dafür nötigen Ströme und Spannungen werden berührungslos via Induktionsspulen an den Rotorkopf übertragen. Auf selbigem Wege findet eine Rückübertragung zukünftiger Sensorsignale statt. Fly-by-Light hat dann die Serienreife schon längst erlangt, und kann optimal in das Gesamtsystem integriert werden. Der kompletten Systemvernetzung um gesamten Hubschrauber steht also nichts mehr im Wege!


...verstehst Du jetzt ?? 8)

Weniger Mechanik dafür mehr, Sensoren, Motoren, Kabel...ect.
Größere Batterien, Backupsystem, WARTUNG = Elektroniker = Höhere Verdienstklasse= höhere Wartungskosten.....usw.
( Siehe schon heute bei den modernen Autos
Was passiert zb. bei Blitzschlag ???

Ansonsten bin ich natürlich auch für Fortschritt, ABER sinnvoll soll Er sein ;)

Viele Grüße
Michael

@Martin, aufjedenfall klasse Beitrag von Dir !

QuaX
12.11.2003, 13:48
Hallo Martin
ich wüßte nicht, warum ich mir auf den Schlips getreten fühlen sollte!?

Du hast geschrieben, daß:
"-> Die Antriebsleistung hat nichts mit dem Drehmoment zu tun!!! Bitte niemals Drehmoment mit Leistung verwechseln!"
Meines Wissens nach errechnet sich die Leistung aus dem Drehmoment und der Drehzahl. Die Antriebsleistung hat also sehr wohl was mit dem Drehmoment zu tun. Beides sind wie Du geschrieben hast abhängig vom Gesamtwiderstand der Blätter (Verlustfaktoren, Agregate und der Heckrotor kommt natürlich bei der Turbinenleistung noch hinzu).

Zu Deiner Bildunterschrift unter dem Bild der EC145
"Kurz hinter den Torsionselementen sind die "Kugeln" zu sehen - leider unscharf. Aber jetzt wißt Ihr ja, wonach Ihr Ausschau halten könnt."
Diese Kugeln sind die Schwingungstilger. Sie dienen dazu Vibrationen die auf den Hubschrauber wirken zu reduzieren. Der Rotorkopf der abgebildeten EC145 ist ein Kopf System Bölkow wie er schon bei der BO105 verwendet wurde. Das Torsionselement wie Du es nennst ist der Blatthals, der die Schlag- und Schwenkbewegungen des Blattes durch elastische Verformung ermöglicht (daher die Bezeichnung "Gelenkloser Rotor"). Auf Torsion ist er aber recht steif, sonst kommt am Blatt nichts mehr von einer Einsteuerung an.

Viele Grüße

QuaX

freyenb
12.11.2003, 14:52
@Michael:

Ich Verstehe jetzt, was Du meinst; hab mich speziell auf den gelenklosen Kopf bezogen.
... nix für ungut ... ;)