Vollständige Version anzeigen : Umfrage ohne Button: Lackiertechnik
DerMitDenZweiLinkenHänden
20.12.2005, 16:57
Servus miteinander!
Rogers ausführlicher post in einem anderen Fred animiert mich, diesen hier zu eröffnen :-) Im anderen Fred kam schon zu Tage, dass Newbies wie ich schon mal was falsch vestehen können :-/
Ich habe mittlerweile in die Planung zur Lackierung mindestens 10 Stunden (auch Internetrecherche) investiert und brauche jetzt noch u.. noch den "Abschlusskick".
Ich postuliere: es gibt mehr Modellbaunewbies wie mich, die sich aus vielen verschiedenen Techniken ihre "eigene" zurechtschustern.
Daher möchte ich euch bitten, in je einem kleinen Beitrag zu diesem Thread eure Lackiertechnik und Produkte anzugeben, in etwa so:
Huni: Verbrenner / Elektro
Technik: Airbrush mit Pistole xy, Kompressor yz / Lackiererei / Pinsel
Abdeckband: xxxx
Spachtel: 1K / 2K, Produktname
Schleifen mit xxx Körnung xxx
Grundierung: 1K / 2K, Produktname,
Nieten ja/nein, welche
Schleifen mit .....
Farblack 1K / 2K, Produkt, ev. Besonderheit
Schleifen....
Decklack....
...
Erfahrungen, Vorteile, Nachteile, besonderer Hinweis, weitere technische Voraussetzungen.
Würde mich freuen, wenn dieser Fred _der_ Lackiertechnikthread in diesem Forum werden könnte!
Meinen Hubi werde ich entsprechend den Antworten hier lackieren. Also... der muss dann einfach schön werden ;)
:D
Kurt
Alpenheli
21.12.2005, 10:10
Hallo Kurt,
na denn, mach ich mal den Anfang:
Hubi:
Ecureuil AS350B1 mit Turbine, Rotor-dm 2,2m
Technik:
Airbrush mit Lackierpistole Marke AGRE Düse 1mm für große Teile
mit Lackierpistole SATA minijet Düse 0,8mm für kleine Teile
Kompressor AGRE 150 lit/min Luftleistung
Lackierkabine (leihweise) für große Teile
in der Werkstatt für kleine Teile
Abdeckband:
Marke 3M - 5mm zum Abkleben an der Lackkante und bei Rundungen
Baumarkt Malerkrepp zum großflächigen Abkleben
Spachtel:
Simprop Schnellspachtel 1K
Schleifen:
nass, Körnung 200 / 400 / 600
Grundierung:
1K Sikkens Spot Primer grey
Schleifen:
nass, Körnung 600 bis 1000
Nieten:
ja, am Rumpf bereits vorhanden
weitere Nieten je nach Modellvorbild Klebennieten (flach) oder System Spritze/Weissleim (erhaben)
Schleifen:
jetzt nicht mehr ... sonst sind die Nieten wieder futsch
Farblack:
2 K Sikkens Autocoat
Schleifen:
nicht mehr
Decklack:
in diesem Fall keiner / sonst 2K Sikkens Autocoat farblos
Neben einer sauberen Umgebung, um Staub am feuchten Lack zu vermeiden sollte eine gute Absaugung vorhanden sein. Speziell bei größeren Teilen (ganzer Hubi) sollte man sich in einer Lackierkabine kurzfristig "einmieten". Ich lackiere meist die Einzelteile in kleinen Häppchen wenn möglich. Mischung von Farbe / Härter / Verdünnung gemäß Herstellervorschrift.
Der Rest ist einfach viel ÜBUNG ... dann gelingt´s auch.
Jürgen S
21.12.2005, 12:14
Dann geb ich auch mal meinen Senf dazu.
Hubi: verschiedene. Z.B. Airwolf mit Turbine
Arbeitsablauf.
1. Rumpf zusammenbauen, Öffnungen ausschneiden, Mechanik einpassen
2. Fehlstellen, Nähte und Lunker ausschleifen mit Dremel oder per Hand
3. spachteln mit Presto light (2K Polyersterspachtel)
4. Spachtelmasse grob verschleifen mit 80-100er Körnung trocken
5. Feinschliff der gespachtelten Stellen mit 120-180er trocken (Flächen mit Schleifklotz, Aussenrundungen mit Schleifschwamm, Innenecken mit der Hand)
6. kompletten Rumpf schleifen mit 240-320er nass. Bitte nur anschleifen, nicht die Deckschicht runterschleifen.
7. Entfetten (Lesonal Degreaser SB), satte Schicht 1K Grundierfüller (Lesonal 1K Filler Primer)
8. Nach der Trocknung eine ganz, ganz dünne Schicht (nur einnebeln) einer Kontrastfarbe (irgendwelche Reste) aufbringen.
9. Nassschliff mit 320er Körnung. die in 8. aufgebrachte Kontrastfarbe sollte vollständig entfernt sein, vorallem in Vertiefungen, die Grundierung sollte jedoch an keiner Stelle komplett weggeschliffen sein. Wichtig ist auch den Abrieb immer mit reichlich Wasser abzuwaschen. Soll das Modell mit hellen Deckfarben oder mit Metallicfarben lackiert werden ist auf jedenfall eine farblich einheitliche Oberfläche erforderlich.
10. Spachteln von eventuell noch vorhandenen kleinen Fehlern ( 1K Nitrospachtel)
11. Spachtelstellen schleifen mit 320er nass.
12. gut reinigen mit Lesonal Degreasser SB
13. Aufbringen von Nieten (Klebenieten, Kunststoffnieten, Weisleim, Prägen mit Stempel) die verschiedenen Möglichkeiten mischen, da am Vorbild ja auch nicht alle Nieten gleich aussehen. Möglichst Sauber arbeiten, damit möglichst kein Fett, Öl usw auf die Grundierung kommt.
14. kurz vorm Lackieren nochmals mit Degreasser gut abwaschen.
15. die hellste Farbe (beim Airwolf z.B. der weiße Bauch) möglichst dünn (wegen dem Gewicht) aber doch deckend und gleichmäßig aufbringen. Es müssen nur die Stellen lackiert werden wo die Farbe nachher auch sichtbar ist, jedoch die Kanten nicht abkleben. Beim Airwolf verwende ich Lesonal 2K Uni Mischlack.
16. Nach Härtung (ca. 24 Std) Kanten (Übergänge weiß nach schwarz) mit Zierlinienband abdecken.
17. Überschüssiges Weiß mit 600er oder Schleiffließ nass anschleifen (Nicht wegschleifen). Vorsicht die Nieten.
18. Weiß mit Feinkrepp und Papier komplett abkleben.
19. Nach Reinigung mit Degreasser die dunkle Farbe aufbringen. (beim Airwolf verwende ich schwarz 2K mit 25% Mattierungsmittel)
20. bei Metalliclackierungen oder Lackierungen mit vielen Farbentönen sollte man 1K Basismischlacke verwenden. Wenn alle Farben aufgebracht sind kommt darauf eine satte Schicht 2K Klarlack. Die Basislacke müssen normalerweise vor dem Klarlacken nicht mehr angeschliffen werden.
Sonstige Hinweise:
Das Lacksystem immer von einem Hersteller verwenden, Grundierungen aus Spraydosen vom Baumarkt vertragen sich in den seltensten Fällen mit den Verdünnungen der 2K-Lacke. Ausserdem sind sie viel zu teuer.
Neben einer sauberen Umgebung, sollte eine gute Absaugung vorhanden sein.
Wer Zuhause im Keller lackiert sollte ein Lösungsmittelfreies Lacksystem verwenden.
Weichmacher und Kunststoffhaftvermittler habe ich noch nie verwendet und sind bei GFK/CFK auch nicht nötig.
Speziell bei Hochglanzlackierungen sollte man Zugriff auf eine Lackierkabine haben.
Je nach Temperatur den entsprechenden Verdünner und Härter verwenden.
Siehe: Lesonal Homepage (http://www.lesonal.de)
Bei GFK/CFK-Rümpfen auf keinen Fall einbrennen.
Lack nicht dicker als nötig aufbringen, ist nur unnötiges Gewicht.
Verwendete Geräte:
Sata Minijet 0,8er Düse für kleine Flächen,
Lackierpistole (Normale Größe Typ: ?) mit 1,2er Düse für große Flächen und mit 1,5er Düse für Grundierung)
Kompressor ?? (Billigteil aus dem Baumarkt)
Viel Spaß beim Schleifen und Lackieren
Gruß Jürgen
Hallo an die Lackiermeister,
was mich aber noch interesieren würde, wo bekommt Ihr den Lack und so weiter her.
Gruß Kai und frohe Weihnachten :P :P
Tipp:
Zum Abklebebn bei dünnflüssigeren Farben nich Krepp nehmen, sondern tesa(breit oder schmal-nur kein Gewebetesa), denn bei Krepp kanns sein das die Farbe unter das Krepp kriecht, und das sieht dann echt richtig sch**ße aus!
MfG
Fabian
Jürgen S
21.12.2005, 15:05
was mich aber noch interesieren würde, wo bekommt Ihr den Lack und so weiter her.
Reste vom Lakierer um die Ecke gegen kleinen Bonus.
Größere Mengen habe ich über meinen Vater bezogen (hatt mal ne Autowerkstatt, jetzt leider in Ruhestand).
2K-Lacke gibt es im örtlichen Autozubehör-Fachhandel, die mischen vor Ort die Wunschfarbe, bei uns ab 1/4 Liter. Abgabe ist auch an Privatpersonen möglich, halt ohne Rabatte. Im Farbenhandel sind 2K-Lacke selten zu bekommen.
Für einen 1,8er Airwolf brauche ich ca. 1/2 L Filler, 1/8l Weis und 1/4l Schwarz. Davon schütte ich noch ca. die Hälfte weg.
Alpenheli
21.12.2005, 15:08
Anmerkungen:
@ Kai:
Ich hole bzw. lasse mir die Farben mischen bei einer Firma die die Lacke für Autospenglereien verkauft.
@ Fabian:
praktisch jede Farbe, die deckend aufgespritzt wird kriecht unter das Kreppband. Um hier Ärger zu vermeiden verwende ich nur jene Abklebebänder, die auch im Bereich der Autolackierer verwendet werden. Diese sind zwar nicht billig aber sie halten gut, halten dicht und gehen auch restlos und leicht wieder ab.
DerMitDenZweiLinkenHänden
21.12.2005, 17:59
Danke schon mal vor allem für die beiden umfangreichen Beiträge!
Gibt es auch jemanden, der nicht airbrusht?
Kompressor ?? (Billigteil aus dem Baumarkt)
Mit Wasserabscheider?
Viel Spaß beim Schleifen und Lackieren
Danke für die guten Wünsche! Ich befürchte aber, dass ich das Teil mangels staubfreiem Raum und Belüftung außer Haus geben muss :-( Das will ich aber nun gar nicht! Das Airbrushequipment ist nur eine Sache des Geldes. Ein Lüftungseinau käme einer Abrissbirne gleich.
@Stefan und Jürgen:
wie sind eure Erstlingswerke geworden?
Kurt
Ich befürchte aber, dass ich das Teil mangels staubfreiem Raum und Belüftung außer Haus geben muss
Also bei uns gibt es z.B. "Lackiermietwerkstätten", da kann man sich von der Spritzpistole bis zur Spritz- und Trockenbox alles anmieten. Oftmals sind diese auch bei "Automietwerkstätten" angegliedert.
DerMitDenZweiLinkenHänden
21.12.2005, 19:30
Danke für den Hinweis, das kannte ich noch nicht. Ich habe mal gegoogelt und tatsächlich gibt es eine (einzige) Mitwerkstätte, und das sogar nur 10 Autominuten von hier.
Allerdings: EUR 55,- pro Stunde für den Lackier- und Trockenraum find ich ein b_i_s_s_l überzogen :(
Kurt
55 Eus ... in 1 Stunde ist das fertig.
Der Lackierer, der es geschafft hat meine Scalectric Bell 222 mit 1,50 Rotor (Vario) mit ganzen 60 Gramm Lack zu besprühen (hab die Teile vorher und hinterher gewogen) dazu noch 2-farbig und Metallic hat mir folgendes erzählt:
- Er hat die meisten Unebenheiten (es gab kaum welche, der Rumpf war Top) ganz sparsam mit viel Geduld, wenig Spachtel, dafür um so mehr Feinstschliff beseitigt.
- Für die Vorbereitung incl. einmessen und abkleben für den orangenen Streifen alleine gingen ca. 20 Stunden drauf, vor allem aufgrund des Gewichtseinsparzieles.
- Reine Lackierzeit ... 30 min. für beide Farben zusammen. Dann nochmals 30 min Trockenzeit nach jeder Farbe und 1 Tag dazwischen warten.
Alpenheli
21.12.2005, 23:49
Also die Zeiteinschätzung von Rainer ist absolut realistisch - ALLES einen prof. Lackierer machen zu lassen ist teuer. Wenn er sich mit der Materie (Gewicht, Grundmaterial etc.) wirklich auseinandersetzt, dann kann das Ergebnis wirklich auch gut sein aber mit einmal schnell drüberblasen ist kein (für uns Modellbauer) gutes Ergebnis erzielbar.
Mein Erstlingswerk .... lass mich mal nachdenken .... o.k. war nicht so gut. Jede Menge unterschiedliche Deckungen bei der Farbe und dann jede Menge Tränen beim Klarlack.
Sorry, aber entweder man hat es gelernt oder man hat es halt oft gemacht und dann einfach genug Erfahrung bzw. Übung. Anders geht´s selber nicht.
Aber auch nach nunmehr fast 20 Jahren Lackieren verschiedenster Modelle mit verschiedensten Mitteln passieren mir kleinere oder größere Hoppalas, damit kann ich aber leben und lerne ständig wieder was dazu.
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