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Alt 01.02.2013, 20:14   #99
Ralf Becker
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Standard AW: Dry Fluid / Gear Fluid Erfahrungen im TDR

So, die Haupttestphase ist abgeschlossen. Hat etwas länger gedauert, aber das lag zum Einen an dem unkalkulierbaren Wetter, was wir nun mal in dieser Jahreszeit haben und zum Anderen wollten wir noch die Erfahrungen mit einfließen lassen, die Stefan Segerer beim Helicamp auf Gran Canaria gemacht hat.

Doch alles der Reihe nach:
Wir alle (Robert Sixt, Stefan Segerer, Oliver Jellen und ich) haben sehr unterschiedliche Anwendungsbereiche.

Oliver ist mit seinem Monstermotor unser Hardcore-Tester.

Stefan hat zum Einen durch die Flugschule die Möglichkeit sehr viele Flüge in kurzer Zeit abzuspulen und zum Anderen mit seiner Hackmaschine hartes 3D zu fliegen.

ßber den Flugstil von Robert zu schreiben, bedeutet eigentlich Eulen nach Athen zu tragen. Seine Maschinen können sicherlich einiges über seinen ??fordernden?? Flugstil berichten.

Wenn wir unsere Testergebnisse mitteilen, dann sind das Erfahrungen, die wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mittel gemacht haben. Labortest können wir nicht vorweisen, ist aber glaube ich auch nicht sinnvoll, da es um möglichst realistische Praxiserfahrungen gehen soll. Und dazu haben wir uns schon einige Mühe gemacht, damit diese so realitätsnah wie möglich ausfallen.

Ich werde hier von Stefans und meinen Erfahrungen berichten.
Oliver Jellen und Robert Sixt werden extra berichten.

Das DryFluid Heli hat sich als sehr gutes Gleitmittel auf Schiebehülsen, Anlenkungen und Taumelscheiben erwiesen. Gegenüber herkömmlichen Schmiermitteln, die ich bisher verwendet habe (Silikonöl, Bosch-Lagerfett), hat es den Vorteil, dass es pro Behandlung länger hält und vor allem als Trockengleitmittel keinen Schmutz anzieht und bindet. Die Gleitwirkung gegenüber den bisher verwendeten Mitteln ist deutlich besser, da das Silikonöl bereits nach wenigen Flügen verschwunden ist und das Boschfett, gerade bei niedrigen Temperaturen, zäher ist und die Schiebehülse bzw. Taumelscheibe somit schwergängiger ist.
DryFluid Heli spielt hier besonders seine lange Haltbarkeit und die Trockenheit aus. Durch die seltene und sehr sparsame Anwendung ist die Ergiebigkeit der 10 ml Flasche sehr hoch.
Den Schwerpunkt unserer Tests haben wir aber auf das DryFluid Gear Lube gelegt, da gerade das TDR-Getriebe durch die immer stärker werdenden Antriebe sehr hohen Belastungen ausgesetzt ist.
Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen mit Kettensprays und dem Würth Spray gemacht. Das Problem des Abschleuderns war bei diesen Mitteln deutlich reduziert da sie sehr zäh und fast klebrig sind. Trotzdem haben die Mittel an der Mechanik und der Haube von innen ihre dunklen Spuren deutlich hinterlassen. Die schwarze Farbveränderung hat auch angezeigt, dass Schmutz und Abrieb vorhanden ist. Die Schmierwirkung an sich war aber durchaus den Anforderungen des TDR-Getriebes gewachsen.

Natürlich war ich gespannt, als Stefan mir das Fläschchen Gear Lube zum Testen in die Hand gab.
Er hatte es schon einige Zeit in seinen Schulungshelis im Einsatz und war sehr begeistert.
Um es kurz zu machen, das Gear Lube hat bei ihm gerade beim Heli Camp Gran Canaria über 200 Flüge mit einer einzigen Anwendung gehalten. Und das bei den Bedingungen die dort vorlagen: Hitze, Staub, Dreck, Sand und salzige Meeresluft. Einige werden sicherlich die Berichterstattung auf FB und Flugzone.ch verfolgt haben. Nach der anschließenden Grundreinigung zu Hause konnte er feststellen, dass immer noch etwas von dem Mittel vorhanden war. Vor allem die Trockeneigenschaften des Gear Lube haben dafür gesorgt, dass sich so gut wie kein Schmutz am Getriebe festgesetzt hat, was sich natürlich auch verschleißmindernd auswirkt.

Meine Tests bezogen sich schwerpunktmäßig auf meine Speed-Maschine mit einem Pyro 700 mit 1,5er Draht. Davon gibt es nur 3 Motoren und er entwickelt eine Dauerleistung von über 5KW. Spitzen von 9KW.
Meine Maschine hat außer dem hitzebeständigen Hauptzahnrad nur die Standardkomponenten verbaut. Regler ist der Heli Jive und als Akku kommen 5000er SLS APL zum Einsatz. Bei meinen Speedflügen war der Akku in knapp 2,5 Minuten restlos leer. Da ist also schon einiges an Leistung verbraten worden.
Die Flüge fanden überwiegend bei Minus-Temperaturen statt. Auch Regen und Schneefall mußte er über sich ergehen lassen.
Aber auch bei mir das Ergebnis, kein sichtbarer Verschleiß am Getriebe. Absolut saubere Mechanik und Haube. Nach 43 Flügen habe ich die Zahnräder wieder mit Waschbenzin gereinigt, was ganz einfach war. Mit der Lupe konnte ich feststellen, dass in der Oberfläche der Kunststoffzahnräder immer noch Keramikpartikel vorhanden waren. Wie es mit den Gleitpolymeren aussieht, konnte ich mit meinen Mitteln nicht nachprüfen. Aber es wären sicherlich noch mehr Flüge bei diesen Belastungen möglich gewesen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das DryFluid Gear Lube für mich zur Zeit das beste Mittel für die Getriebeanwendung mit meinen Belastungen beim TDR ist. Es sorgt für einen geringeren Reibwiderstand, gegenüber den bisher getesteten Schmiermitteln, ist sehr sparsam und langlebig, und vor allem, die Mechanik bleibt sauber. Durch die sehr sparsame Anwendung (nur sehr dünn auftragen, hier ist weniger mehr), hält auch bei diesem Mittel das 10 ml Fläschchen, je nach Flughäufigkeit, sicher eine ganze Saison und länger.

Natürlich haben wir während der Testphase auch mit dem Hersteller, Rolf Jacobs, Kontakt gehabt. Aber nicht, um diesen Testbericht abzustimmen (wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Meinung unbeeinflußt kundtue), sondern um ihn unsere Zwischenergebnisse mitzuteilen. Dazu möchte ich erwähnen, dass er unsere Informationen und auch die Erfahrungen, die hier im Forum geschrieben wurden, als Anlaß genommen hat, sein Produkt weiter zu optimieren.
Also ist auch zukünftig mit Produkten zu rechnen, die für unsere Anwendungen maßgeschneidert sind. Ich bin gespannt, was Rolf Jacobs sich noch einfallen läßt. Allerdings hat er die Messlatte mit den DryFluid-Produkten schon sehr hoch gesetzt.

Gruß Ralf
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