Schmierstoffe !?!?!

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  • Paramedic_LU
    Senior Member
    • 11.07.2007
    • 1511
    • Demian
    • Airfield: MFSV Schallodenbach

    #16
    AW: Schmierstoffe !?!?!

    Echt intressant, dass es doch seltene Kombinationen von Hobbys gibt wie Sportschiessen und Helifliegen als Beispiel :-) , find ich cool.

    Mit den Zusätzen ist das immer so eine Sache, und kommt immer auf den Einzelfall an wo es eingesetzt wird. Meine Meinung ist die, dass ein gutes ßl keine weiteren Zusätze benötigt. Ich rede jetzt von reinen Zusätzen, also nicht fertiggemischte ßle bestehend aus Grundöl, Additiv und Zusatz. Im Automotivbereich ist das ja auch immer so eine Glaubensfrage, wo es auch unzählige Mittel gibt zum Einschütten. Ich geh jetzt mal in den KFZ Sektor und greife ein Beispiel heraus, weil man es da gut erklären kann.

    Ein gutes ßl braucht keine Zusätze. Lieber das Intervall etwas herabsetzen von der Laufzeit her.
    Es gibt viele Zusätze, die einiges Versprechen.
    Kraftstoffverbrauchsenkung, Reibminderung, bessere Schmierung, etc.
    Wie auch immer das erwirkt wird (Nanopartikel, PTFE, etc.)

    Ich zweifel an deren Wirkung nicht. Die können halten was Sie versprechen. Das muss aber jeder für sich selbst herausfinden, ob das Mittel das hält was die Werbung des Herstellers verspricht.
    Das ist aber bei mir nicht der Knackpunkt. Der Hintergrund liegt in der Beschaffenheit des ßles begründet, was mit Sicherheit die wenigsten wissen.

    Darum hol ich etwas aus, und gehe kurz in die Produktion des ßles. Das besteht aus den verschiedensten Grundstoffen (ßlen) und Zuschläge (Additive) und Hilfsstoffe.
    Fließverbesserer, Stabilisatoren, Detergents, Suspends, VI-Verbesserer, Antioxidantien, Entschäumer und, und, und
    Wichtig für das Thema ßlzusätze sind 2 Stoffe im Motoröl, auf die es ankommt. Detergents und Suspends. Die einen lösen den Schmutz, und die anderen halten ihn in der Schwebe und führen ihn dem ßlfilter zu. Und hier liegt das Entscheidende.
    Bildlich kann man sich das wie das Blut vorstellen. Keime dringen ins Blut ein und werden von der Abwehr dem Immunsystem gepackt. Mitunter von den Fresszellen. Die schnappen sich die Eindringlinge und verputzen sie. Sterben dann aber ab. Macht aber nix, der Körper produziert nach.
    Beim ßl sind es diese Additive. Diese erkennen Verunreinigungen, Schmutz etc.
    Packen die Teile, halten sie fest und tragen sie zum ßlfilter. Wo sie auch abgelegt werden. Nur werden sie nicht vom Additivstoff wieder gelöst. Er legt sich mit dem Teilchen im Filter ab. Und bleibt dort. Verbraucht sich also. Das ßl bildet den Stoff im Gegensatz zum menschlichen Körper aber nicht nach. Hier bräuchte es frisches ßl was zum Motoröl gekippt würde.
    Diese Additive können leider nicht zwischen gutem und schlechtem Partikel im ßlstrom unterscheiden. Für die ist das gute Nanopartikel oder PTFE-Partikel genau so ein Teil auf das sie angesetzt werden wie Staub, Silikate, ßlkohle etc.

    Fazit:
    Mit dem Einsatz von ßlzusätzen können die versprochenen Eigenschaften erreicht werden, aber auf Kosten eben dieser Additive, die den im ßl befindlichen Schmutz in Schwebe halten und in den Filter führen. Diese werden vorzeitig verbraucht.
    Wer auf die Zusatzstoffe nicht verzichten möchte, sollte dann zumindest sein Intervall nicht voll ausreizen, sondern etwas herabsetzen.

    Dann noch etwas was auch oft ein Glaubensstreit in allen Anwendungsbereichen entfacht.

    Was bedeutet "Vollsynthetisch"?
    Die Worte -synthetisch-, -teilsynthetisch-, -vollsynthetisch- usw. sind allerdings nirgends genormt oder spezifiziert. Sie werden dadurch häufig als Marketing-Begriffe eingesetzt. Ein Motoren-/Getriebeöl besteht aus Grundöl (ca. 80%) und Additivpaket (ca. 20%). Das Grundöl liefert dabei die Grundeigenschaften des ßles. Einige können nachträglich durch Additive beeinflusst werden, andere nicht. Die ACEA normt fünf Grundölgruppen. Zur Grundölgruppe 1 und 2 gehören Mineralöle, die durch Raffination bzw. Destillation aus Rohöl gewonnen werden (automotiv fast gar nicht mehr eingesetzt/angeboten). Sie sind in Ihrer Fließfähigkeit begrenzt und benötigen daher i.d.R. ein leistungsfähiges Additivpaket. Zur Grundölgruppe 3 gehören Mineralöle, die durch die HC-Synthese synthetisch nachbehandelt wurden. Der Grundstoff dieser ßle ist günstig und man erhält eine vergleichsweise hohe Druckfestigkeit. Zur Grundölgruppe 4 gehören die synthetischen Kohlenwasserstoffe (Polyalphaolefine oder PAO) und zur Gruppe 5 alle anderen synthetisch gewonnenen Grundöle, wie Ester. Diese zeichnen sich durch eine breite Viskositätslage aus und sind hoch alterungsbeständig - dafür aber auch teuer.

    Soviel zur Theorie. In der Praxis werden häufig Mischungen der Grundöle eingesetzt. Für den ßlhersteller ist es von vorrangigem Interesse, die Herstelleranforderungen zu erfüllen. Dazu wird eine Komposition verschiedenster Grundöle und Additive eingesetzt. Her zu gehen und ßle als mineralisch, teilsynthetisch oder synthetisch zu klassifizieren, ist daher einfach zu pauschal. Am besten bemisst man ein ßl an seiner ACEA/API-Spezifikation und/oder den Herstellerfreigaben.

    Die von Dir erwähnten Produkte hab ich selbst noch nicht getestet, von daher kann ich da nichts groß dazu schreiben. Wenn Sie bei Dir ohne Probleme laufen, warum dann was ändern? Schmierung ist immer etwas individuelles nach Anwendung, Art, Einflüßen. Hatte ich ja schon geschrieben. Für die P226 nehm ich das was auch die Bundeswehr einsetzt und andere Armeen der Welt. Jetzt das Produkt zu nennen ist schwierig, da ich ja jetzt als Schreiber in ein Intressenskonflikt gerate mit den Forumregeln, ich will keine Verwarnung wegen Werbung etc.
    Jedenfalls ist das für die BW Zuschlagsfrei, basiert rein auf Ester, und dementsprechend teuer wie die von Dir genannten Produkte.

    Für unsere Helis dürften die meisten Produkte voll ausreichend sein. Wichtiger finde ich da eher die Hinweise, dass man die gewählten Schmierstoffe richtig anwendet. Also jetzt Trockenschmierstoff nicht zu dick aufträgt, oder in Lager nicht etwas mit Feststoff wie Graphit oder ähnliches reinmacht. Und es Bedarf halt der ßberwachung und Pflege. Kann man meiner Ansicht nach aber mit der Vorflugkontrolle gemeinsam machen. Dann dürfte man immer einen guten Flug haben :-)

    Edit: Den Ballistol Geruch mochte ich schon immer nicht ;-) , wie Du auch. Das von mir benutzte W-ßl ist da eher neutral bis leicht fruchtig, aber nur ganz leicht. Daher nehm ich ja ein anderes Weissöl, weil neutral und höherviskos (68er Klasse)
    Zuletzt geändert von Paramedic_LU; 24.10.2020, 10:45.
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    • stern-fan
      Senior Member
      • 27.06.2012
      • 3294
      • Rolf
      • Remseck (Kreis Ludwigsburg)

      #17
      AW: Schmierstoffe !?!?!

      Abermals herzlichen Dank für diese tollen Einblicke in die Schmierstoff-Welt! Ich finde das alles extrem interessant zu lesen!

      Verglichen mit dem, was in einem Verbrennungsmotor direkt im Brennraum passiert, müssen "unsere" Schmierstoffe ja verhältnismäßig wenig aushalten. Wenn man regelmäßig reinigt und neu schmiert, sollte alles passen.

      Viele Grüße
      Rolf
      [FONT="Impact"][FONT="Arial Black"]Was bist Du? Macher oder Kritiker?[/FONT][/FONT]

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      • Paramedic_LU
        Senior Member
        • 11.07.2007
        • 1511
        • Demian
        • Airfield: MFSV Schallodenbach

        #18
        AW: Schmierstoffe !?!?!

        Genau :-)

        Für uns ist wichtig das nichts trocken läuft, und das Schmiersystem einwandfrei ist. Kontrolle, Reinigen, Nachbessern ist da das Richtige.

        Kleine Anmerkung, es gibt ein paar Gleitpaarungen die ohne was auskommen, hier ist dann ein Gleitpartner selbstschmierend. Das kann durch sich selbst sein, oder durch in den Kunststoff eingebrachte Materialien wie PTFE, Silikon , Graphit sein.

        POM Werkstoffe sind unter anderem selbstschmierend.

        Mich faszinierte der Einstieg vor Jahren auch. Mit den richtigen ßlen kann man teils sogar Schäden zu einem gewissen Grad wieder bereinigen. Im Braunkohletagebau gibts ja diese großen Bagger, die haben riesige Lager mit Unmengen an Getriebeöl. Das wird turnusmäßig immer analysiert, daraus kann man auf den Zustand und den Wechselzeitpunkt schliessen. Da gabs mal ein großes Lager das war zerüttet und hatte Pittings. Mit der Auswahl eines geeigneten ßles konnte man die Pittings wieder einglätten, die Laufzeit verlängern, bis ein Ersatzteil neu gebaut worden war. Das nur am Rande. Also schon echt intressante Sachen gibts da.
        Baubericht: BK-117 B2, DRF D-HTTT

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        • uboot
          Senior Member
          • 16.05.2013
          • 3487
          • Wolfgang
          • Luftraum um FFB

          #19
          AW: Schmierstoffe !?!?!

          Deine Beiträge, für die Du Dir meist sehr viel Zeit nimmst, lese ich gerne, da sie sachlich klar und nachvollziehbar sind.
          Außerdem gehöre ich ebenfalls zu der "seltenen" Gruppe.
          Es ist das edelste Privileg des Starken, sich auf die Seite der Schwachen zu stellen.

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