Rotorblätter selbstgebaut

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    coptery

    #1

    Rotorblätter selbstgebaut

    Selbstbau von Rotorblättern

    Hallo Leute

    bevor ein Sturm der Entrüstung wie "das macht doch keinen Sinn" und so weiter losbricht, möchte ich erst mal meine Motivation erklären.

    Wer meine kleine Lama mit Hauptriemenantrieb und mein großes Lama Projekt mit Motor huckepack kennt, weis das ich immer versuche, den Helis meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Obwohl, oder gereade weil ich Elektroingenieur bin, habe ich kein sonderliches Interesse, etwas an den elektronischen Komponenten zu basteln. Was mir aber viel Spass macht, ist die Entwicklung, Konstruktion und Herstellung von Mechanikteilen meiner Helis. So habe ich mir mittlerweile auch einen Maschinenpark zugelegt zu dessen Kosten ich mir mehrere TDR's hätte kaufen können. Würde mir aber nicht so viel Spaß bereite wie etwas selbst entworfenes und gebautes in die Luft zu bringen. Einer, der den Eiffelturm aus Zündhölzchen nachbaut kauf sich auch keinen bei Revell. Höchstens zum Abmessen.

    Nun aber zu den Hauptrotorblättern. Solange ich die Dinger für 15€ das Paar gekauft habe, kam es mir auch nicht in den Sinn, hier etwas selber zu machen. Seit dem ich auf auf meiner kleinen Lama Blätter für 80€ ( Dreiblattsatz 325mm von Spinblades mit 18mm Blatttiefe wegen Scale) daraufhabe kommt man schon in's Grübeln ob "einmal Garageneck und nicht mehr zurück" 80€ wert sind.

    Hier meine Lama 450 mit den Spinblades.




    Für alle die mehr zu meiner kleinen Lama wissen wollen




    So war die ßberlegung verlockend, sich die Dinger selbst zu machen. Meine Recherchen im Internet zum Selbstbau von Blättern waren nicht sehr ergiebig. Einzig von Modelltechnik Jung war eine Art Bauanleitung im Netz.



    Allerdings findet man zur Technik des GFK/CFK Kompositbaus jede Menge Informationen im Netz. Auch die Hompages der Materiallieferanten haben hier teilweise einen reichhaltigen Fundus. Meine Materialien habe ich bei http://www.hp-textiles.de/ bestellt. Die Lieferung war immer innerhalb von zwei bis drei Tagen bei mir zuhause.

    Die folgende Beschreibung soll keine Aufforderung sein, Blätter zu bauen. Wer dies dennoch tut, tut dies auf seine eigene Verantwortung.

    Als erste muß man sich klar werden, was man haben möchte. In meinem Fall war es ein Dreiblattsatz, der ähnlich der von Spinblades verfügbaren
    Blätter ist. Also 325mm lang, 18mm tief, tragendes Profil und nicht sher biegesteif. Per CAD habe ich das Rotorblatt konstruiert. Hier lege ich Wert darauf dass ich die Spinblades nicht mit einer Abformtechnik kopiert habe. Geringe Biegesteifigkeit sorgt dafür, dass die Blätter im Stillstand sogar etwas runterhängen. Auf der kleinen Lama habe ich einen starren Kopf, was etwas weichere Blätter erfordert.

    Aus dieser CAD- Konstrutkion entstand dann die Konstruktion der beiden Formhälften. Ich habe zum Glück Beziehungen die es möglich machen, eine ALU-Form zu bauen. Hierbei realisiert eine Formplatte die Unterseite und die Andere die Oberseite des Rotorblattes. Die beiden Formplatten
    wurden dann entsprechend der Konstruktion aus dem Vollen gefräst. Das dauert mehrere Stunden. Wenn ich das bezahlen müsset könnten wir das nicht machen. Nach dem Fräsen beginnt die mühsehlige Handarbeit. Die Formnester müssen mit verschieden grobem Schleifpapier glattgeschliffen und anschließend poliert werden. Das Ergebnis kann man im flogenden Bild sehen. Hier schon mit einem begonnen Blatt.




    Man erkennt die drei Nester und die 8 Bohrungen bzw Gewinde M10 mit denen die Formhälften nach dem Einlaminieren verschraubt werden. Drei
    weitere 10'er Bohrungen sind vorgesehen um die beiden Formhälften mit Stiften vor dem Verschrauben perfekt zu justieren. Da wo bei den Blätter die Blattschraube durchgeht, befindet sich in den Formplatten eine Bohrung mit 4mm Durchmesser. Diese Löcher werden vor dem Laminieren mit kleinen Alustiften auf Passung verschlossen. Diese Stifte haben nach innen zeigend eine kleine Spitze die in das Blatt gleich eine Zentrierung für das Bohren formt.

    Vor dem Lamieren steht das behandeln der Form mit Trennmittel. Es gibt hier Wachse, Spray's oder Lacke. Bei einer nicht saugenden Aluform kann man gut mit Wachs arbeiten. D.h. alle Flächen der Form die mit dem Harz in Berühung kommen, werden mehrfach mittels weichem Lappen mit dem flüssigen Wachs eingerieben. Ist das Lösungsmittel verdunstet, wird das Wachs auspoliert.

    Als erstes kommt in alle Formnester das Deckschichtharz. Dieses hat eine höhere Viskosität und verhindert dadurch ein Zusammenlaufen am
    tiefsten Punkt der Form. Es klebt wie Honig an der Form. In das Deckschichtharz eingerührte Farbpigmente machen es besonders zäh. Das Einbringen habe ich mit einer aus einer Eisbox geschnittenen Spachtel gemacht. Furchen die man hier unweigerlich reinzieht verlaufen nach kurzer Zeit wieder. Man muß aber trotzdem versuchen, eine möglichst homogene aber dünne Schicht einzubringen die bis zur Formtrennlinie hochreicht. Und viel Zeit hat man auch nicht. Man muss auch darauf achten, nicht die Wachsschicht zu verletzen.

    Das von mir verwendete Harz hat eine Topfzeit von 28 Minuten. Das bedeutet dass man es maximal so lange verarbeiten kann. Dann muß man erst mal ca. 2 Stunden warten bis diese Deckschicht "angeliert" ist. Das bedeutet, sie sollte nicht mehr weich aber noch klebrig sein.

    Jetzt geht es an denn Innenaufbau der Blätter. Die Gewebe sollten schon vorher möglichst genau mit Schablonen zugeschnitten sein. Das bedeutet dass die Gewebelagen beim Einlegen nicht über die Formtrennebene hinausragen dürfen da sonst hier die Fasern später hervorstehen würden. Ich habe ein Glasfasergewebe mit 200g/m² verwendet. Das Zuschneiden erfolgt mit einer normalen Papierschere. Allerdings sollte man dabei unbedingt eine Atemschutzmaske aufsetzen. Bei den Blättern habe ich in jedes Nest erst ein 45°Grad und dann ein 0° Gewebe eingelegt. Das ist immer das selbe Material aber mit anderer Orientierung der Fasern zugeschnitten. Für die ersten Versuche habe ich auf Kohlefasern verzichtet, da diese fünf mal so teuer sind wie Glasfasern. 45° bedeutet, dass die Fasern im +/- 45° Winkel zur Längsrichtung des Blattes laufen. Diese Schicht ist für die Torsionssteifigkeit des Blattes verantwortlich. Bei der 0° Ebene laufen die Fasern längs und quer zur Längsrichtung des Blattes. Diese Ebene ist für die Biegesteifigkeit verantwortlich.

    Nachdem das Laminierharz (dünnflüssiger als das Deckschichtharz) angemischt ist hat man 40 Minuten Zeit für den Innenaufbau. Erst gießt man etwas Harz auf die noch klebrige Deckschicht und legt dann die erste Matte ein. Diese wird dann festgedrückt, gewalzt oder was auch immer so dass sie fest an der Deckschicht anliegt und das Harz durch das Gewebe steigt. Dann wird sofort mit der zweiten Lage weitergemacht. Man muß richtig aufpassen, dass man nun auch das Gewebe mit der anderen Faserrichtung verwendet. Wenn die ganze Sache zu trocken wird, dann kann man ja noch etwas Harz nachgießen. Wie schon einmal erwähnt, die Gewebelagen dürfen nicht über die Kante hinausragen, sollen aber innen jeden Winkel des Blattes erreichen. Dies gilt besonders für den Bereich der Blattschraube.

    Jetzt kommt der Rowing!!!!! Ein wichtiges Element, dass das Blatt durch die Fliehkräfte nicht reißt. Die Gewebelagen sind nicht ausreichend stabil um den Bereich um die Paddelschraube zugfähig genug zu machen. Bei einem 450'er sind das 80 bis 150N je nach Drehzahl. Das entspricht dem Gewicht eines Eimers voll Wasser. Der Rowing ist ein Faserstrang auf der Rolle der von der Blattspitze an der Nase entlang, um das Auge und wieder zurück auf die nasse Gewebelage gelegt wird. Dies sollte man sicherheitshalber in beiden Blatthälften machen.

    Die beiden Formnester sollten jetzt schon bündig voll sein. Aus einem Styrodur Material (Isoliertapete) schneide ich jetzt einen schmalen Streifen, den ich in eine! Formhälfte lege. Der Streifen verdrängt beim Zusammenklappen der Form das Harz nach aussen und sorgt so dafür, dass im Randbereich auch sicher eine Verklebung stattfindet. Hier werde ich mal versuchen, noch mehr Gewebelagen einzubringen und auf den Schaumkern zu verzichten. Erst bei größeren Blättern hilft der Schaumkern Material und Gewicht zu sparen. Er liegt auch mittig im Blatt und somit in einer Zone, die weder auf Torsion noch auf Biegung belastet ist.

    Am Blattende im Nasenbereich habe ich jezt ein paar Gramm Blei eingebracht. Das sorgt für ein nachlaufendes Blatt und macht den Heli damit weniger agil. Auf jeden Fall sollte man immer versuchen, alle Blätter gleich schwer zu laminieren und das Blei auf jeden Fall an der gleichen Position einzubringen da sont der dynamische Schwerpunkt ein Problem macht.

    Jetzt kann endlich zusammengeklappt werden. Keine Angst, das Harz ist so Zäh, dass es nicht sofort rausläuft. Mit den M10 Schrauben werden
    die beiden Formhälften zusammengezogen. So richtig mit Schmackes daß das überschüssige Harz an allen Seiten austritt. Die Formplatten
    müssen unbedingt plan zusammenliegen weil es sonst unterschiedlich dicke und schwere Blätter mit unterschiedlichem Auftrieb gibt.

    Jetzt wird die Form noch aussen gesäubert und dann kann man 24 Stunden auf das Ergebnis warten. Zeit, schon neue Gewebelagen zuzuschneiden.

    .....

    Dann bis morgen

    coptery
  • athome
    sudar.ch
    Onlineshop
    • 15.04.2009
    • 802
    • Lukacs
    • Aargau (Schweiz)

    #2
    AW: Rotorblätter selbstgebaut

    Danke Coptery,
    für diesen Bericht! Tja ich kann dir sehr nachfühlen. Auch ich versuche immer wieder meinen Modellen meinen Stempel aufzudrücken! Zur Zeit gerade wieder bei einer meiner Agustas. Rotorblätter habe ich bis dato noch nicht hergestellt.
    Hast du die
    Ich weiss von Norbert alias Nopost123 das er immer mal wieder Blätter baut: ich weiss nicht ob du sein Album hier kennst!
    Aber ist schon immer wieder toll wenn einem so ein kleiner Geniestreich gelingt ! Da schaut man dann gerne über den Preis der Werkstatt und der Maschinen hinweg

    Gruss Lukacs
    Zuletzt geändert von athome; 01.01.2011, 19:27.
    Homepage:
    http://www.sudar.ch und http://www.turbinenheli.ch

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    • BERND BOTTKE
      BERND BOTTKE

      #3
      AW: Rotorblätter selbstgebaut

      Servus coptery,
      was soll ich sagen,als alter Eigenbauhelimechaniker,nur eines:
      1a Form,so wie Du da ran gehst,mit diesem now hau,da kommen sehr gute Blätter aus Deiner Form raus.
      Hast Du ein bestimmtes Profil genommen?
      Ein Kollege und ich ,wir hatten vor einiger Zeit mit normalem Formenharz eine Form laminiert,die ist bei weitem nicht so profimäßig geworden wie Deine,aber für einige Blätter,mit 710mm Länge,reichts.
      Also dann,bin schon auf das Ergebniss gespannt,Grüsse Bernd

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      • coptery
        coptery

        #4
        AW: Rotorblätter selbstgebaut

        nach 24 Stunden kommt der Augenblick der Wahrheit. Da das Harz auch in die Gewindegänge der Schrauben eingedringt ist das Fußarbeit mit einem langen Inbusschlüssel. Es wundert nicht, wenn die Form nach dem Entfernen der Schrauben trotzdem noch nicht auseinandergeht. Das Harz sollte zwar bei gutem Wachsen nicht am Alu kleben aber durch das Fehlen von Luft werden die Formhälften sehr gut zusammenhaften. An einer Stelle der Form befindet sich ein Gewinde durchgängig in nur einer Formhälfte. Da in der anderen Formhälfte an dieser Stelle kein Loch ist, kann man mittels einer Schraube die beiden Formhälten auseinander drücken. Es genügt hier eine ganz kleine Kraft und die beiden Formplatten springen förmlich auseinander. Alternativ kann man auch mit etwas Flachem zwischen die beiden Formhälften fahren.

        Die Blätter liegen aber immer noch satt in einer der beiden Formhälften. Jetzt kann man mit einem Stift den Einsatz der die Position des Schraubloches am Blatt markiert hat ( wir erinnern uns an die kleinen Alustifte) von hinten herausdrücken oder schlagen und die Blätter sollten sich hervorragend lösen.

        Das zwischen den Blättern verteilte Harz sollte eine Dicke von nur wenigen 1/100mm aufweisen und kann einfach abgerissen werden. Mehr Harz im Zwischenraum zwischen den Blättern bedeutet, dass die Form nicht richtig geschlossen war. Ein paar Feilstriche an der Vorder und der Hinterkante des Blattes und bis zum Erstflug ist nur noch das Durchbohren des Auges und das Auswuchten der Blätter.




        Man erkennt den Unterschied zu den original Spinblades nur am Fehlen des Logos auf den Blättern. Im Augenblick sind sie noch etwas weicher. Carbongewebe ist aber schon bestellt. Da sollte nochmal was gehen. Wenn ich anstatt der 2x2 Lagen 2x3Lagen reinmache und auf den Schaumkern verzichte wird's noch mal härter. Die Torsionssteifigkeit ist schon jetzt zufriedenstellen.


        Bin mit den neuen Blättern auch schon geflogen. Ich konnte nur mal kurz Indoor schweben.

        Der Wirkungsgrad

        original Spinblades 175mAh/min
        original Stubenfliege Flügel 194mAh/min

        das bedeutet ca. 10% mehr Strom. Gar nicht so schlecht. Ich denke wenn ich an der Drehzahl wieder etwas nach unten komme wird noch etwas besser. Den Joker den ich noch im ßrmel habe ist die Verbesserung des Profils an der Hinterkante. Das macht Laune zum Weitermachen. Die 525mm Länge ist schon in Arbeit.

        Aber noch einmal. Do not eat und jeder der es nachmacht, tut dies auf eigene Verantwortung.


        Wie's weitergeht?
        ich versuche gerade die Methode GFK-Form. Hier kann man ohne Zugriff auf eine Fräsmaschine die Form für Blätter mit Materialien aus dem
        Baumarkt herstellen. Es sollen damit demnächst Blätter mit 520mm Länge und 30mm Blatttiefe entstehen. Das ist für mein Projekt




        Bis dann

        coptery

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        • Hazelnut
          Member
          • 27.12.2009
          • 466
          • Stephan
          • München

          #5
          AW: Rotorblätter selbstgebaut

          Danke coptery,
          ein sehr interessanter und wertvoller Bericht aus dem man auch für andere Projekte etwas lernen kann!
          Grüße,
          Stephan

          Kommentar

          • Albert
            RC-Heli Team
            • 17.04.2001
            • 8595
            • Albert
            • MFC Hochstadt

            #6
            AW: Rotorblätter selbstgebaut

            Hi,
            interesanter Bericht und gutes Ergebnis.

            Erinnert mich so an meine Lackiererei, für die Ausrüstung könnte ich mir viele lackierte Hauben kaufen, aber die wären nicht so wie ich sie will.

            Albert
            Das Leben ist sehr gefährlich. Bis heute hat es keiner überlebt!!

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            • coptery
              coptery

              #7
              AW: Rotorblätter selbstgebaut

              In den letzten beiden Folgen habe ich beschrieben wie man mittels ALU-Form zu Rotorblättern kommt. Das ist natürlich nicht von jedem machbar da das Fräsen der Formen ca. 1000€ kostet wenn man keine Beziehungen hat. Ich habe aber schon angedeutet, dass ich noch den Rotorblattbau mit einer GFK-Form beschreiben werden.

              Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man hat das original-Blatt das man nachbauen will. Dann wird das Originalblatt wie allgemein bekannt bis zur Trennebene in ein beschichtetes Brett eingelassen. Den Spalt verschließt man z.B. mit Wachs. Dann kann mann die Hälfte des Rotorblattes welche herausschaut überlaminieren und bekommt eine Form. Dann wird das Brett entfernt und die andere Seite des Rotorblattes überlaminiert. Die beiden Formhälften werden verstiftet und mit Löchern zum zusammenschrauben versehen. Dann läuft wieder alles so wie mit der Aluform.

              Wesentlich interessanter finde ich, wie man zu einem Rotorblatt kommt wenn man kein Original hat. Wie in meinem Fall ist das Blatt das ich brauche nirgends verfügbar. Assymetrisch, 525mm lang und 30mm tief. Das Blatt soll für meine 600'er Lama sein. Meine Blatthalter sind schon 100mm, somit komme ich auf einen 600'er.

              1. Herstellung des Urmodells.

              Nachdem ich zwei Formhälften machen will, brauche ich natürlich auch kein komplettes Urmodell des Rotorblattes. Ich kann gleich das Trennbrett und die entsprechende Urform für jede Seite des Rotorblattes getrennt aufbauen. Im folgenden beschreibe ich das für eine Seite (Oberseite des Rotorblattes)

              Ich schneide mir ein Brett mit 600mm Länge und 50mm Breite aus einer 20mm MDF-Platte. Darauf baue ich mit Polyesterspachtelmasse (aus dem Baumarkt beim Autozubehör) die obere Hälfte des Rotorblattes auf. Damit dies schön gleichmäßig auf der ganzen Länge wird habe ich mir eine Schablone aus Sprerrholz gemacht. Die Schablone hat eine 50mm Aussparung so dass ich sie über das ganze Brett ziehen kann. Mittig in der Aussparung ist das Profil der oberen Hälfte des Rotorblattes ausgefeilt. Ich ziehe nun mit der angemischten Polyesterspachtelmasse mittig über das ganze Brett eine Raupe in der geahnten Dicke. Dann fahre ich mit der Schablone über das Brett und bekommen schon in erster Anäherung das Profil. Das ist die Art, mit der Stukkateure Bodüren an den Wänden und Decken machen. Natürlich werden nach dem ersten Areitsgang noch einige Lunker und Riefen in der abgzogenen Masse sein. Wenn diese hart ist, dann können noch weiter gleiche Arbeitsgänge erfolgen. Das Auge und den Randbogen des Blattes habe ich dann freihändig modelliert. Mehrere Schleif- und Spachtelgänge schließen die Anfertigung des Urmodells einer Rotorblatthälfte ab.



              Für die Anfertigung der anderen Rotorblatthälfte mache ich ebenfalls ein Brett und eine Schablone. Hier ist natürlich absolut wichtig, das Profil gleich breit und an der gleiche Position zu machen. Die Urformen werden so gut wie möglich poliert. Polyesterspachtelmasse lässt sich mit feinem Schleifpapier und grobem Stoff hervorragend schleifen und Polieren. Beim Schleifen möglichst immer mit Schleifklotz arbeiten um ebene Flächen hinzubekommen. Die Kanten beim ßbergang zum Trennbrett müssen sauber gefertigt und scharfkantig sein. Hier kann man mit allem arbeiten, Cuttermesser, Feilen, scharfkantige Aluklötze und vieles mehr.

              Das Rotorblattauge erhält da, wo später die Schraube durchgehen soll eine Kegelsenkung. Das realisiert dann in der Form gleich eine kleine Spitze die die Stelle zum Bohren im Blatt markiert. Anschließend werden die beiden Bretter mit den aufgebrachten Profilen mit Acryllack aus der Sprühdose lackiert. Hier ist darauf zu achten, dass keine Tropfnasen und eine absolut makellose Oberfläche der Urmodelle entstehen. Kleine Unebenheiten in der Spachtelmasse werden durch das Lackieren noch behoben. Wichtig ist ebenfalls eine vollständige Beschichtung der Flächen der Holzbrettchen die rings um das Urmodell des Blattes hervorschauen. Hier wollen wir ja später Trennwachs aufbringen und die Form drauflaminieren. Eventuelle soll mit dieser Urform ja noch einmal eine Form erstellt werden wenn man mehrere Formen braucht oder der erste Versuch schief
              geht. Ich habe einen weißen Acryllack verwendet. So kann ich beim Auftragen der schwarzen Deckschicht der Form sehen ob irgendwelche Fehlstellen in der Deckschicht sind.



              Die Fehlstellen im Lack auf dem Baubrett wo das Holz etwas gesaugt hat kann ich erst morgen beheben da ich dazu die Kontur des Rotorblattes selbst abdecken möchte. Das Rotorblatt ist schon spiegelglatt.

              So, so weit bin ich bis jetzt. Das ist ein Lifebericht und Ihr könnt meine Fortschritte oder MIßerfolge verfolgen. Mein Zeitplan sieht vor, bis Ende dieser Woche die Formen auf die Urformen zu laminieren.

              coptery
              Zuletzt geändert von Gast; 03.01.2011, 15:50.

              Kommentar

              • Jürgen F.
                Senior Member
                • 26.11.2008
                • 2625
                • Jürgen
                • 59174 Kamen

                #8
                AW: Rotorblätter selbstgebaut

                Toll, das sich jemand mal an dieses Thema wagt und dann auch veröffentlicht.

                Ich hsbe den Gedanken auch schon lange, traue mich aber noch nicht so recht daran.

                Frage: macht es nicht (gerade bei etwas grösseren Blättern) Sinn, den Styrokern gleich in Profilform herzustellen?

                Immerhin wird der Kern in den dünneren Randbereichen ja etwas gestaucht und übt dann permanent Druck aus, was möglicherweise eine Profiluntreue nach sich zieht!

                Ferner kann man so wahrscheinlich, da der Kern das Blatt weitgehend ausfüllt, Harz sparen und das Gewicht senken.

                gruss jürgen
                Bauberichte auf http://www.Helipoint.de Update 21.03.2017

                Kommentar

                • coptery
                  coptery

                  #9
                  AW: Rotorblätter selbstgebaut

                  schäumen könnte man machen, aber dann braucht man noch einmal eine Form. Bei größeren Blättern kann man aber auch schon an Schneiden des Kerns denken. Da der Kern keine Zugkräfte aufnimmt, kann man ihn auch aus mehrern Segmenten machen wenn man keine so lange Styroporsäge hat.

                  ßbrigens, wo kämen wir denn hin, wenn alle das gleiche machen. Und warum soll ich mich nicht trauen einen laufenden Prozess zu veröffentlichen. Meine ßberlegung ist, hier auch konstruktive Kritik zu bekommen was mich möglicherweise vor Fehlern bewahrt.



                  coptery
                  Zuletzt geändert von Gast; 03.01.2011, 17:48.

                  Kommentar

                  • wirbelwind
                    Member
                    • 20.01.2005
                    • 386
                    • Klaus

                    #10
                    AW: Rotorblätter selbstgebaut

                    Hallo,

                    bei größeren Blättern (ich würde sagen, ab 60er Mechanik) kommst du praktisch nicht mehr ohne einen geformten Stützkern aus.
                    Die Farbe der Kerne ist nicht unbeding ideal , die Härte des Hartschaumes ist jedoch genau richtig...

                    Gruß Klaus.
                    Angehängte Dateien

                    Kommentar

                    • Jürgen F.
                      Senior Member
                      • 26.11.2008
                      • 2625
                      • Jürgen
                      • 59174 Kamen

                      #11
                      AW: Rotorblätter selbstgebaut

                      Zitat von wirbelwind Beitrag anzeigen
                      Hallo,

                      bei größeren Blättern (ich würde sagen, ab 60er Mechanik) kommst du praktisch nicht mehr ohne einen geformten Stützkern aus.
                      Die Farbe der Kerne ist nicht unbeding ideal , die Härte des Hartschaumes ist jedoch genau richtig...

                      Gruß Klaus.
                      Okay, die Farbe ist grenzwertig

                      Hast Du schon mal was über Deine Blätter geschrieben?

                      Wenn nicht, machs bitte!!
                      Bauberichte auf http://www.Helipoint.de Update 21.03.2017

                      Kommentar

                      • coptery
                        coptery

                        #12
                        AW: Rotorblätter selbstgebaut

                        Die Farbe des Stützkerns spielt keine Rolle, wenn mann eine gefärbte Deckschicht hat. Ich fände es auch toll, wenn noch weitere Berichte über "richtigen Modellbau" kämen. Endlose Tests von China Importen langweilen irgendwie.


                        coptery

                        Kommentar

                        • Maximilian.T
                          Member
                          • 31.10.2010
                          • 528
                          • Maximilian

                          #13
                          AW: Rotorblätter selbstgebaut

                          Hallo Coptery,

                          schöner Bericht, war sehr interessant zu lesen. Ich hoffe du kannst deine Blätter immer weiter perfektionieren und bekommst perfekte Ergebnisse (nicht, dass deine Blätter jetzt schon nicht sehr gut wären!!! )

                          Gruß Maximilian
                          Outrage Fusion 50 Vstabi, Mikado Logo 400 Vstabi, CopterX 450 SE V2 3Digi, Futaba T10CG

                          Kommentar

                          • coptery
                            coptery

                            #14
                            AW: Rotorblätter selbstgebaut

                            Gestern hatte ich ja die beiden Urmodelle (wohlgemerkt eines für die Oberseite des Rotorblattes und eines für die Unterseite des Rotorblattes) lackiert.

                            Nun habe ich um die Urmodelle einen kleinen Rahmen gebaut der höher ist als die höchste Erhebung (Blattauge)




                            Jetzt wurde ordentlich Trennwachs auf alle Flächen gegeben und nach dem Abtrocknen auspoliert.

                            In den Rahmen kam nun mit schwarzen Pigmenten versetztes Deckschichtharz.



                            Jetzt muss man ungefähr zwei Stunden warten bis das Harz geliert. In dieser Zeit habe ich vier Glasfaser-Gewebestreifen geschnitten die in den Rahmen passen.

                            Mit Laminierharz habe ich dann die vier Streifen auf die noch klebrige Deckschicht laminiert.





                            Mit Polyester Spachtelmasse möchte ich die Unebenheiten bis zur Oberkante des Rahmens ausgleichen und dann eine stabile MDF-Platte draufkleben. Dies soll dann das Rückgrat der Form werden.

                            Und dann, so Gott der in seiner Freizeit sicher auch Helis fliegt will, werde ich die Urform entformen. Da wird sich zeigen, ob ich gut gewachst habe.

                            coptery

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                            • wirbelwind
                              Member
                              • 20.01.2005
                              • 386
                              • Klaus

                              #15
                              AW: Rotorblätter selbstgebaut

                              Hallo,

                              Hast Du schon mal was über Deine Blätter geschrieben?

                              Wenn nicht, machs bitte!!
                              Nun, ich habs mal vor langer Zeit probiert, aber die einen haben sofort gewarnt, wie eigenlich immer, wenn einer was macht, was nicht alle machen...
                              Die anderen waren eher - so hatte ich das Gefühl - gelangweilt...

                              Die Farbe des Stützkerns spielt keine Rolle...
                              Waaaasss? Du bist sicher einer, der dann auch die schön rot und blau eloxierten Tuningteile nicht zu schätzen weis...

                              Aber mein Senf zum Thema:
                              Zum Eigenbau von Rotorblättern gabs mal von Klaus Weise in der ROTOR 2/90 einen Artikel. Seitdem haben eigentlich (fast) alle - die ihre Geheimnisse verraten wollten - nur davon abgeschrieben. Der Artikel von Jung ist nahezu eine 1:1 Kopie.
                              "Fast", das schließt eindeutig nopost123-Norbert aus, denn er hat eigene Ideen und teilt sie auch mit anderen...

                              Den Formenaufbau habe ich bisher ähnlich wie coptery gemacht. Zuerst das Urmodell, dann die Trennebene, dann einen Formenrand, dann - und das fehlt mir irgendwie bei coptery - die Passdübel und die Verschraubungshülsen.

                              Das Laminiernen beginnt mit dem Formenharz, angelieren lassen, ich streue dann Glasfaserschnitzel drauf (Kupplungsschicht) und dann kommt ein symmetrischer Lagenaufbau mit Gewebe.

                              Bei den angefügten Bildern habe ich zum ersten mal mit Laminierkeramik gearbeitet, davor (siehe letztes Bild) habe ich als letzte "Lage" ein Stahlprofil angeordnet. Das hat den großen Vorteil, dass man beim Zusammenfügen mit Schraubzwingen pressen kann, ohne etwas kaputt zu machen.

                              Wenn ich wieder eine Form mache, dann kommen auch Gewindehülsen und auf der Gegenseite Blechscheiben rein, um die Formen schonend öffnen zu können.

                              Ich hoffe es waren ein paar Anregungen dabei,
                              schöne Grüße
                              Klaus.
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