Baubericht meiner Portalfräse "Hannah"
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Die Auswahl der Spindeln
Nachdem ich mich nun im ersten Schritt für die Größen der Linearführungen entschieden habe, möchte ich nun die Abmessungen der Kugelrollspindeln festlegen. Die billigeren Trapezspindeln sind auf Grund der geringeren Genauigkeit und der höheren Reibung für mich keine Option.
Hier gehe ich in umgekehrter Reihenfolge vor, d.h. von der Z-Achse beginnend bis zur X-Achse. Beim Lesen der vielen Berichte war mir aufgefallen, dass alle drei Achsen mit Spindeln der Größe ß16 ausgestattet waren.
Aber warum? Hat ein Werkzeug in allen drei Ebenen gleich große Schnittkräfte? Sind die dynamischen Kräfte der verschiedenen Achsen vernachlässigbar klein und daher gleich hoch? Oder kann man durch gleiche Lagerungen (höhere STückzahlen) evtl. etwas Geld sparen?
Um diese Fragen zu beantworten bin ich ganz pragmatisch vorgegangen. Durch die Auswahl der 20-iger Führungswagen an der Z-Achse ist der Platz für die Höhe einer Spindelmutter auf 30mm beschränkt. Wenn jedoch eine 16-er Spindelmutter verbaut werden soll, müssen die Aluplatten in der Mitte um die Spindelmutter freigefräst werden und zwar um ca. jeweils 6mm. Sicherlich machbar, allerdings ein zusätzlicher Fräsaufwand, der Zeit und Geld kostet.
Mit denen in der P2 von EMS eingesetzten 35-er Führungswagen taucht dieses Problem natürlich nicht auf, denn die Führungshöhe ist mit 45mm ausreichend. Bei 30-er Wagen beträgt der Abstand 40mm, so dass auch hier bereits etwas freigefräst werden müsste. Wenn die Fräsarbeiten insgesamt teurer sind, als der Mehrpreis für die 35-er Schienen mit einem Wagen, macht diese Konstellation für ein (Klein-) Serienprodukt schon Sinn.
Doch nun baue ich ja selbst und schaue etwas genauer hin. Was, wenn man eine kleinere Spindel einsetzen würde, deren Mutter in den vorhandenen Bauraum hineinpasst?
So habe ich kurzer Hand im CAD eine 12-er Spindel verbaut. Die Spindelmutter hat eine Höhe von nur 26mm und würde zumindest geometrisch sehr gut zu den 20-er Führungen passen. Auch ohne zusätzliche Fräsarbeiten.
Aber wie sieht es mit den Belastungen aus? Und wie kommt man jetzt möglichst schnell auf ein paar Ergebnisse ohne eine Doktorarbeit zu schreiben ...
?
Ich habe einfach an -das andere Ende- geschaut. Also nicht an den Fräser und welche Belastungen im Extremfall auftreten können, sondern wieviel Leistung ich am Antrieb der Spindel max. zu Verfügung haben werden.
Ein Blick auf die vielen Fräsen in dieser Größe zeigt, dass hier konstruktiv durchgehend die Größe NEMA 23 vorgesehen ist und auch so empfohlen wird. Also stürze ich mich nun ins Internet und suche mir verschiedene Datenblätter heraus um das max. Drehmoment der Antriebe zu erfahren. Also bis später ...
Gruß MarkusBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Die Vorschubkraft an der Z-Achse
Um Informationen über Schrittmotoren zu bekommen habe ich natürlich zuerst in den bekanntesten CNC Shops gesucht, in denen viele der -Fräseneigenbauer- ihre Komponenten auch beziehen. Einer der Shops findet sich bei der Firma Sorotec. Auf der dortigen Internetseite finden sich auch Datenblätter der empfohlenen Motoren.
Bei Sorotec habe ich Motoren vom Hersteller Nanotec gefunden. Da die Links in den Shops oftmals aktualisiert werden, habe ich Euch einfach einen Screenshot angehängt. Hier wird bei bipolarer Installation ein max. Drehmoment von 3,54Nm angegeben. Betrachtet man nun das verknüpfte Datenblatt von Nanotecmax. Vorschubkraft auf ca. 5.300 N.
Als nächstes werde ich prüfen, ob diese Kraft mit einer 12-er Spindel noch wirklich zuverlässig übertragen werden kann.
Gruß MarkusAngehängte DateienBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Die Belastungen an der Spindel
Welche Kriterien schließen nun die Verwendung einer 12-er Spindelgröße aus? Zum einen könnten die berechneten 5.300N eine zu große Knicklast bedeuten und zum anderen eine zu hohe Lagerbelastung an einer der Spindellagerungen.
Diese Werte kann man mit Hilfe der Formeln, die von den verschiedenen Spindelherstellern angegeben werden grob überprüfen. Hinweise hierzu finden sich eigentlich immer im vorderen Bereich der Produktkataloge.
Auch muss man sich über die Antriebsanbindung der Spindel Gedanken machen. Setzt man den Antriebsmotor in axialer Verlängerung mit einer Kupplung an, so hat das keinen Einfluss auf die folgenden Berechnungen. Da ich die Bauhöhe zu Gunsten einer kompakteren Bauform reduzieren möchte, kommt ein Riemengetriebe zum Einsatz. Dieser wirkt ja ebenfalls als Kupplung, allerdings kann man gleichzeitig noch eine ßbersetzung einbauen.
Nachteil:
- Die maximale Geschwindigkeit sinkt um den Faktor 1,25
Vorteil:
- höheres Drehmoment an der Spindel
- verbesserte Genauigkeit durch noch feinere Auflösung
Die Knicklast:
Sie spielt eigentlich nur eine Rolle, wenn die freie, nicht eingespannte Länge der Spindel zu lang wird. Diese bei z.B. Hiwin genannte -ungestützte Länge- gibt der Spindelhersteller als Abstand zwischen Fest- und Loslager an. In meinem aktuellen Konstruktionsentwurf mit den vier 20-ger Wagen an der Z-Achse beträgt dieser Abstand max. 250mm.
Die Berechnung der Knicklast erfolgt dann mit der Hiwin Formel:
F = 4,072 x 10^5 + (f x d^4 / l^2)
Hierbei bedeuten: f (Faktor der unterschiedlichen Montagearten, bei einer Los- / Festlager ist dieser Wert 0,5), k (Kerndurchmesser am Gewindeschaft) in mm und l (ungestützte Spindellänge) in mm. Nach den Einheiten darf man hier allerdings nicht so genau fragen, denn dieses werden wohl in dem Faktor 4,072 -gerade gebügelt-.
F = 4,072 * 10^5 * (0,5 * 9,9^4 / 250^2)
F = 31.292 N
Laut Hersteller ist lediglich die Hälfte als max. Kraft zulässig, also ergibt sich eine max. Knicklast mit ca. Fmax = 15.650 N
Man könnte also getrost seinen PkW auf die 250mm lange Spindel stellen. Die errechneten 5.300N Vorschubkraft sind hier somit völlig unkritisch.
Doch wie sieht es mit den Lagerbelastungen C und Co aus? Bei Hiwin werden die zulässigen Dyn. Und stat. Tragzahlen angegeben mit C = 5.500N und Co = 12.000N. Das erscheint auf den ersten Blick etwas knapp an der berechneten Belastung mit 5.300N zu sein, doch diese Werte sind ja dazu da auch ausgenutzt zu werden - es sind schlicht und einfach zulässige Werte.
Schaut man im Vergleich auf die Spindeldaten der 16-er Spindel so sind die stat. Tragzahlen der 12-er Spindel sogar noch etwas größer. Lediglich die dynamischen Werte liegen bei der 12-er Spindel ca. 15% darunter.
Wenn man in etwas die gleichen Sicherheiten wie bei der 16-er Spindel haben möchte, lässt man einfach die ßbersetzung mit 1,25 weg. Gedanklich kann man ja die Konstruktion so vorsehen, dass beide Riemenscheibenvarianten (1:1 und 1:1,25) verbaut werden können.
Da die Berechnungen insgesamt alle auf eine hohe Lebensdauer abzielen und dann eine max. Umdrehung von 10^6 bei max. Last annehmen, sehe ich bei der 12-er Spindel auch praktisch keine Probleme und werde diese in der Z-Achse mit der ßbersetzung 1,25 vorsehen bzw. verbauen. Eleganter Nebeneffekt, das angegebene Axialspiel ist bei der 12-er Spindel nur halb so groß wie bei einer 16-er Spindel (theoretisch).
Die Spindellagerungen (Fest- und Loslager) muss ich zu gegebener Zeit allerdings nochmals hinsichtlich der Belastungen überprüfen.
Gruß MarkusAngehängte DateienBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Das Riemengetriebe
Gedanklich habe ich mich heute auch noch über den Riementrieb der Z-Achse hergemacht. Da alle drei Spindeln den gleichen Antriebsmotor bekommen brauche ich diese Untersuchung ja nur einmal zu machen, also kann ich etwas genauer hinsehen.
Die Themen meiner Wissbegierde sind:
- Riementyp (Profil, Teilung, Gesamthöhe)
- Belastungen am Zahnriemen
- ßbersetzung
- Zahnriemenführung an den Riemenscheiben
- Anbindung der Zahnriemen an Antrieb und Spindel
- Spindellagerung am Riemenrad (Festlagerseite)
- Spannkräfte am Zahnriemen
Es geht also um das komplette Programm der Bauteile, die das Antriebsdrehmoment auf die Spindel übertragen.
Kupplung der Z-Achse / Grundsatzentscheidung:
Konstruktiv gesehen bin ich ein Freund einer kompakten und teilereduzierten Bauart. Die oft verwendete Klauenkupplung funktioniert ganz sicher tadellos, doch für mich sind folgende Punkte ein Ausschlusskriterien:
1. mehr Fertigungsteile als bei einer Zahnriemenlösung
Vergleicht man die mechanischen Kupplungsteile, so stehen zwei Kupplungsnaben, zwei entsprechenden Riemenscheiben gegenüber. Hier muss jeweils die Wellenpassung und eine Klemmung vorgesehen werden. Allerdings brauche ich zur Motorbefestigung meist drei Bauteile, bei dem Lösung mit Riemengetriebe nur ein zusätzliches.
2. schlechtere Dämpfung, als mit Zahnriemen
Wenn man sich den Fräser einmal als Schwingungserreger vorstellt, übertragen sich diese Impulse die beim Ein- und Austritt der Werkzeugschneide ergeben, in die Kupplungsnabe der Spindel. Hat nun der Zahnkranz der Kupplung (das farbige) Gummiteil ein wenig Spiel, oder ist die Gummihärte zu hoch (Shore Härte), so federt die Kupplung immer wieder ein wenig hin- und her. Es entsteht eine sogenannte Dreh- bzw. Torsionsschwingung. Die Energie, die hierbei verloren geht erwärmt die Kupplung und schädigt diese häufig dauerhaft.
In der Industrie kann man das mit Hilfe eines Stroboskop Lichtes sehr gut sehen.
3. nicht veränderbare ßbersetzung
Logisch, bei einem 1:1 Antrieb, braucht bzw. will man die ßbersetzung nicht verändern. Sie hat dafür einen etwas besseren Wirkungsgrad. Wenn man allerdings beim Achsabstand eine Varianz zulässt (z.B. -längere- Langlöcher an der Motorhalteplatte), kann man die ßbersetzung auch später noch durch den Tausch eines Riemenrades verändern und bleibt flexibler.
4. höhere, schwingungsanfälligere Bauform
Was mich am meisten bei der 1:1 Lösung stört, ist die Tatsache, dass man die recht große Masse des Schrittmotors mit Verlängerung (Kupplungsgehäuse) am obersten Ende des Portals verbaut - quasi eine -Masseschaukel-. Daher möchte ich hier die kompaktere Umlenkung mittels Zahnriemengetriebe wählen.
5. Verringerte Laufgeräusche
Speziell das HTD Zahnriemenprofil ist ein geräuschoptimiertes Profil, welches von Haus aus zudem als spielarm eingestuft werden kann. Bei allen Profilen (T, AT und den zölligen Varianten MXL, XL, L, H) kann das nur durch -speziellere- Zahnformen der Riemenscheiben erreicht werden. Die ßbertragung der manchmal pfeifenden Geräusche bei einer Klauenkupplung wird durch den Zahnriemen deutlich besser entkoppelt.
Gruß MarkusZuletzt geändert von klarisatec; 20.09.2017, 14:27.Bell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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AW: Baubericht meiner Portalfräse "Hannah"
Hallo Markus.
So viel Gedanken wie Du was die Dimensionierung angeht habe ich mir damals nicht gemacht. Andererseits war die Auswahl gerade bei den Spindeln doch sehr beschränkt. Isel war da einer der wenigen Hersteller, der sich auch mit Privatabnehmern beschäftigt hat. Damals gab es die bezahlbaren Spindeln auch nur in 16mm oder 25mm. So bin ich dann bei 16x5mm gelandet. Du hast aber einen ganz gravierenden Rechenfehler bei der Dimensionierung. Das im Datenblatt eines Schrittmotors angegebene Drehmoment ist das Haltemoment. In Bewegung sinkt das Drehmoment mit steigender Schrittfrequenz extrem stark ab. Alle für uns gebräuchlichen Lager, Spindeln und Führungen werden den Belastungen in jedem Fall Stand halten, denn wir arbeiten mit unseren Geräten kaum im 24/7 Betrieb. Bei der Auswahl würde ich einfach auch mal von den eigenen Möglichkeiten ausgehen. Beispielsweise ob eine einfache Drehmaschine zur Verfügung steht um die Lagersitze anzufertigen.
Bei der Auswahl des Spindelantriebs bin ich ganz auf Deiner Seite, wobei Du in der Regel auch noch eine Spannrolle vorsehen musst, da es selten möglich ist die Riemenlänge und den Wellenabstand in Einklang zu bringen. Ich habe der Einfachheit halber meine Spannrollen aus Delrin mit einer Gleitlagerung gedreht. Für die relativ geringen Drehzahlen des Antriebs ist das m.E. völlig ausreichend. Ich habe ja an der X- und Z-Achse zwei Spindeln angebaut. Diese werden von einem zentralen Schrittmotor über HTD5x25mm Zahnriemen angetrieben. Die Spindeln der X- und Y-Achse sind an beiden Enden gelagert. An der Z-Achse habe ich auf das Loslager verzichtet, da die Spindeln recht kurz sind und die Spindelmutter ja auch eine zusätzliche Lagerung darstellt. Für die Spindellagerböcke waren mir damals die doppelreihigen Schulterlager für die Festlagerseite zu teuer. Deshalb habe ich dort einfach zwei normale Radiallager verbaut. Zwischen den Außenringen befindet sich ein Distanzring und an den Innenringen können die Lager mit der Spindelmutter gegeneinander verspannt werden. Die Zahriemenscheiben habe ich einfach auf den erforderlichen Durchmesser aufgebohrt und gerieben. Sie werden mit Stiftschrauben auf den Wellen geklemmt. Ich denke, dass eine Befestigung mit Spannbuchsen auf Grund der geringen Drehzahlen nicht erforderlich ist.CU,
Egbert.
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AW: Baubericht meiner Portalfräse "Hannah"
Hallo Egbert,
vielen Dank für die Tipps und Beschreibungen. Du hast bezüglich der früheren Situation natürlich Recht. Vor Jahren gab es wirklich nur Isel und ein paar andere (teure) Hersteller. Eine schnelle Vergleichbarkeit bzw. Preistransparenz durch das Internet war damals ebenfalls noch zum größten Teil Wunschdenken.
Doch heute kann man (fast) nach Herzenslust konstruieren, weil unglaublich viele Lösungen in erschwinglichem Rahmen und überschaubarem Zeitrahmen lieferbar sind.
Naja, das sehe ich etwas anders ...Du hast aber einen ganz gravierenden Rechenfehler bei der Dimensionierung
Kugelrollspindeln sind ja (im Gegensatz zu Trapezspindeln) keine Antriebe mit Selbsthemmung. D.h. sie können - wenn denn die Kraft groß genug ist - auch entgegen des Kraftflusses vom Antrieb weg (also zum Motor hin) gedreht werden. Sind die Schnittkräfte / Vorschubkräfte oder Schubkräfte z.B. durch eine Kollision extrem hoch, dann muss der Spindelantrieb min. das Haltemoment des Antriebs aushalten können, sonst wird er beschädigt.
Hält die Mechanik das aus, wird der Schrittmotor einfach über- bzw. weitergedreht ...
Im schlimmsten Fall ist der Motor die preiswerteste und schnellste Reparatur ...
Einen Riemenspanner wird es nur beim Riemen der beiden X-Achsen Spindeln geben. Die Y- und Z-Achse bekommt jeweils einen "spannbaren" Motor. Moderne Zahnriemen verändern Ihre Länge durch die Verwendung von Stahl-, GfK oder Armidgeweben nur noch minimalst. Ein Nachspannen wie früher bei den Keilriemen ist im laufenden Betrieb daher nicht mehr notwendig.
Gruß MarkusBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Antrieb der Z-Achse
Bei der Lösung von Herrn Möderl war mir aufgefallen, dass beide Riemenscheiben mit Borscheiben ausgeführt werden. Warum das so ist kann ich nicht recht erklären. Doch evtl. spielen hier kommerzielle Gründe eine Lösung, d.h. die Mehrfachverwendung der einzelnen Zahnscheiben an Motor oder / und Spindel?
Technisch gesehen macht das keinen Sinn, denn der Riemen braucht ja nur eine Borscheibe an der oberen und eine an der unteren Kante zur Führung. Bei zwei Bordscheiben an jedem Rad wird der Riemen evtl. verkantet. Zudem ist das eine teurere Angelegenheit, denn bei den meisten Herstellern werden die Riemenführungen (Bordscheiben) nur bis zu einer max. Verzahnung von 44 Zähnen angeboten. Größere Zahnriemenscheiben mit Borscheiben sind Sonderanfertigungen und - wie Herr Möderl auf seiner Homepage schreibt - nicht standardmäßig zu bekommen (also auf jeden Fall nicht für kleine Euros).
Natürlich gibt es auch Konstruktionen ohne Borscheiben. In diesen Fällen sind die Zahnriemenräder ballig, so dass sich der Zahnriemen selbst zentriert. Doch das sind auch wieder recht teure Lösungen für ausgewählte Leistungen und Anwendungsbereiche.
Prinzipiell wäre es auch denkbar an jedem Riemenrad nur eine Borscheibe vorzusehen, also gegenüberliegend. Hierzu habe ich Euch mal ein Beispiel der Firma RS Pro. Eine interessante Lösung mit glasfaserverstärktem Polycarbonat und Aluminiumnabe. Leider wird das HTD Profil in dieser Ausführung nicht gelistet.
Mit Hilfe der Drehmomentdaten des Schrittmotors von Nanotec, kann man einen Zusammenhang zwischen Drehmoment und Drehzahl sehen.
Mit zunehmender Drehzahl nimmt das Drehmoment ab - das erklärt auch die Leistungsformel P = M * n. Im unten angehängten Diagramm werden nur ca. 3,1 Nm als max. Drehmoment angegeben und dieses verwende ich für die weiteren Berechnungen.
An der Fräse erkennt man den ßberlastfall (im Diagramm auf der rechten Hälfte) häufig bei zu großem Vorschub durch Schrittverluste, in dem Fall fungiert der Motor quasi als Rutsch- bzw. ßberlastkupplung.
Nun habe ich mit dem max. Drehmoment von 3,1Nm verschiedene Zahnriemenvarianten grob durchgerechnet. Die 1. Variante ist die Lösung der P2 Maschine. Auch wenn sicherlich nicht immer das max. Drehmoment ansteht, so hat mich doch gewundert, dass die von Mädler angegebene max. Zugkraft am Zahnriemen mit 9mm (100N) um über 35% überschritten wird (135,3N).
Sicherlich hält der Zahnriemen eine kurzfristige ßberlastung aus, doch bei einem längeren Einsatz hätte ich persönlich dabei etwas -Bauchweh-. Sicherlich sprechen einige Gründe gegen andere Konstellationen. Der HTD 5M Riemen ist von der Zahnteilung größer, d.h. heißt er rollt etwas -härter- ab und ist etwas lauter. Zudem ist der Riemen steifer, d.h. auch die Zahnriemenräder müssten im ß wachsen. Das alles verteuert natürlich die Maschinen an dieser Stelle. Des Weiteren sind die höheren Riemenräder evtl. nicht an den gängigen Spindelendenbearbeitungen unterzubringen, da die Wellenenden zu kurz sind.
Nach einem Vergleich der Mädler Daten habe ich mich für ein Riemengetriebe mit dem Profil HTD 3M und einer Zahnriemenbreite von 15mm entschieden. Die Verzahnungsteile werde ich möglichst groß wählen und zwar mit den ßbersetzungen / Zahnverhältnissen 48:48 und optional 60:48.
Morgen gibt´s dann endlich wieder etwas vorzeigbares am CAD ...
Gruß MarkusBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Das Riemengetriebe
Nach der ganzen trockenen Theorie der vergangenen Tage geht´s nun am CAD weiter. Und zwar mit der Konstruktion des Riemengetriebes.
Anbei nun meine Lösung für den Antrieb der Z-Achse. Einige Schrauben fehlen allerdings noch. Auch zusätzliche Stützwinkel der Aluplatte, an der Motor und Spindelfestlager befestigt sind, sind noch offen. Hier habe ich eine etwas andere Idee, die sich allerdings noch etwas entwicklen muss ...
Das Wichtigste in Kurzform:Angehängte Dateien- 0053 - Zahnriemengetriebe.JPG (58,4 KB, 60x aufgerufen)
- 0054 - Z-Achse oben.JPG (66,7 KB, 56x aufgerufen)
- 0055 - Z-Achse geschnitten.JPG (66,1 KB, 59x aufgerufen)
- 0056 - Z-Achse vorne.JPG (47,8 KB, 59x aufgerufen)
- 0057 - Z-Achse seitlich.JPG (39,9 KB, 54x aufgerufen)
- 0058 - Z-Achse kpl..JPG (59,3 KB, 49x aufgerufen)
- 0059 - Z-Achse mit Fräsaufnahme.JPG (62,1 KB, 50x aufgerufen)
- 0060 - Fräse komplett.JPG (86,0 KB, 60x aufgerufen)
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Vorschubkraft
Bei der Wahl der Kugelumlaufspindel meiner Y-Achse (am Portal) habe ich die Größe ß16mm gewählt. Eine 12-er Spindel ist hier vermutlich etwas -schwach auf der Brust- und so kommt die vielfach bewährte Baugröße 16 zum Einsatz.
Nun gibt es für den Antrieb der Spindel wiederum mehrere Möglichkeiten:
- axialer Anbau des Schrittmotors mit z.B. einer Klauenkupplung, oder
- das bereits zum Einsatz kommende Riemengetriebe wie an der Z-Achse oder aber
- eine angetriebene Spindelmutter, d.h. der Schrittmotor verfährt mit der Y-Achse an der Halterung der Z-Achse (diese wurde im Beitrag #15 von ??? schon einmal angesprochen)
Um es vorweg zu nehmen. Der platzsparende Aufbau des Portals mit zwei 25-er und zwei 20-er Linearführungswagen lässt keinen Platz für das benötigte Zahnriemenrad HTD 3M mit 48 Zähnen. Man müsste in den Nachbarteilen die Störkanten aus- bzw. wegfräsen. Es ist einfach zu groß und passt nicht zwischen Portal und der Aufnahme der Z-Achse. Sie überdeckt die Führungsschiene am Führungswagen oben rechts.
Somit wird hier die gleiche Lösung wie an der Z-Achse zum Einsatz kommen, also mit außen liegendem Zahnriemengetriebe, lediglich mit dem größeren Spindedurchmesser von 16mm.Bell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Wichtige Erkenntnis für die -Berechnungsmuffel- unter Euch:
- doppelte Steigung bedeutet doppelte Geschwindigkeit, allerdings auch halbierte Vorschubkräfte
- halbe Steigung bedeutet halbe Geschwindigkeit, dafür gibt es allerdings die doppelte Vorschubkraft
Warum das Ganze? Ist das denn wirklich so wichtig? Ist denn nicht sowieso alles mit Sicherheiten versehen und daher überdimensioniert?
Bei der angetriebenen Spindelmutter gibt es einen Bereich, der mir diesbezüglich -im Bauch grummelt-. Ob da etwas dran ist, muss ich mir erst noch etwas genauer anssehn. Ich werde darüber berichten.
Doch davor geht es an die Y-Spindelachse am Portal.
Gruß MarkusBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Die Spindellagerung
Bei der Spindellagerung gibt´s (wie immer) mehrere Möglichkeiten. Eine konstruktiv sehr elegante Lösung sind die Flanschlager vom Typ ZKLFA von INA. Die Lager sind unglaublich kompakt, nur 16mm bzw. 20mm breit und lassen sich sehr gut in die 20mm starken Flachmaterialien einbauen. Allerdings sind die Preise genauso Kompakt. Sollte sich hier keine preiswerte Einkaufsmöglichkeit auftun, werde ich das Lager nochmal aufs Reißbrett holen müssen.
Bei der Betrachtung des Schnittes quer durch das Portal war mir im Zusammenhang mit der Positionssuche der Spindelmutter eine Schwachstelle bezüglich der Krafteinleitung / -führung aufgefallen.
Beim oberen Linearwagen der Z-Achse wäre es natürlich eleganter, wenn die Abstützung zum Portal in gleicher Höhe wäre. Um den großen Abstand der Wagen an der Z-Achse beizubehalten bleibt nur die Vergrößerung des Alu Profils am Portal. Damit einher bräuchten auch die Wangen etwas mehr Material im oberen Bereich.
Der finanzielle Mehrpreis dürfte sehr überschaubar bleiben und so habe ich die Konstruktion an dieser Stelle nochmals überarbeitet und aus dem bisherigen Profil 120x80 leicht, ein Profil mit den Abmessungen 160x80 leicht gemacht. Die Gesamtabmessungen der Fräse ändern sich dadurch nicht und auch der Arbeitsbereich bleibt von dieser ßnderung unberührt.
Die Spindellagerung habe ich wie beschrieben wieder mit einem Kombilager (ZKLFA) und Nutmutter gestaltet. Beim Loslager habe ich lediglich ein Rillenkugellager mit Wellensicherungsring vorgesehen.
Gruß MarkusAngehängte Dateien- 0074 - Flanschlager ZKLFA.JPG (68,8 KB, 82x aufgerufen)
- 0067 - Loslager Spindel Y-Achse.JPG (60,4 KB, 79x aufgerufen)
- 0068 - Festlager Spindel Y-Achse.JPG (62,0 KB, 77x aufgerufen)
- 0069 - Riemengetriebe Y-Achse.JPG (115,8 KB, 88x aufgerufen)
- 0070 - Portal komplett.JPG (141,6 KB, 84x aufgerufen)
- 0071 - Portal komplett Rückseite.JPG (147,1 KB, 80x aufgerufen)
- 0072 - Spindelanordnung - Portal.JPG (87,6 KB, 78x aufgerufen)
- 0073 - Fräse Hannah kpl..JPG (95,2 KB, 84x aufgerufen)
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Die angetriebene Spindelmutter
Nun steht noch der Spindelantrieb des Portals (X-Achse) auf der Konstruktionsliste. Bauart bedingt ist hier der Abstand zwischen Linearführungswagen und einer einigen, mittig angeordneten Spindel sehr groß. D.h. der Abstand der beiden Führungswagen an der Wange ist kleiner, als der Abstand der Wagen zur Kugelumlaufspindel. Bei Rundführungen führt diese Gegebenheit immer wieder zum Ruckeln und Klemmen, verbunden mit erhöhtem Verschleiß und schlechterem Wirkungsgrad (Egbert hatte darauf ja schon im Beitrag #12 hingewiesen).
Welche Möglichkeiten gibt es um diese geometrische Gegebenheit zu verbessern. Mir sind zwei konzeptionelle Möglichkeiten eingefallen:
1. Vergrößerung des Abstandes der beiden Lineareinheiten an der Wange
2. Verringerung des Spindelabstandes zu den Führungswagen
Die erste Maßnahme hat eine Verbreiterung der Wange, erhöhtes Gewicht und natürlich eine Vergrößerung des Grundrahmens / Frästisches zu Folge. Auch die Aufstellfläche wächst 1:1 mit der Abstandsvergrößerung.
Die zweite Maßnahme geht prima ohne die Maschine zusätzliche zu vergrößern - allerdings nur zu einer Seite hin, denn rutsch man die Spindel zu einer Wangenseite hin, wächst das Problem in gleiche Größe auf der anderen Seite.
Die Lösung ist hier die schon angesprochene zweite Spindel. Sicherlich die elegantere aber auch teurere Lösung, denn man braucht nicht nur eine zweite Spindel sondern auch ein Synchronisationsgetriebe um die Spindeln im Gleichlauf bewegen zu können. Wenn man beim Riemengetriebe bleibt bedeutet das einen längeren Zahnriemen und Spannrollen für eine verbesserte Riemenführung / Umschlingung.
Ob diese Doppelspindellösung mit konventioneller Spindelmutter oder angetriebener Mutter umgesetzt wird ändert am gedanklichen Prinzip zunächst gar nichts.
Herr Möderl verwendet die angetriebene Kugelumlaufmutter bei der P3 (Cobra) an der X- und Y-Achse und in der aktuellen Konstruktion auch bei der P2 zumindest an der X-Achse. Die nachfolgenden Bilder stammen von der Homepage von EMS und sind im Original dort zu finden.
Bei der X-Achse hat Herr Möderl bezüglich der angetriebenen Spindelmutter das gleiche Problem, welches ich in meinen ßberlegungen auch hatte: zu wenig Platz.
Das Riemenrad passt nicht zwischen die Aufnahmeplatte der Z-Achse und dem Aluprofil des Portals. An der Platte muss eine Freiraum für das Zahnriemenrad gefräst werden und oben ein Durchbruch für den Zahnriemen. Legt man den Zahnriemen nach außen (wie bei der P3) fehlt dieser Bereich als Verfahrweg in der P2 Y-Achse.
Bei der stärkeren (und teureren) P3 (Cobra) ist an dieser Stelle mehr Platz.
Für mich war das wie schon gesagt an der Y-Achse zu aufwendig, darum kam die angetriebene Spindelmutter hier nicht zum Tragen. Die Nachteile und der finanzielle Mehraufwand haben aus meiner Sicht überwogen.
Bei einigen Herstellern gibt es auch angetriebene Spindelmuttern im Standardsortiment, doch diese bauen sehr groß am Flansch der Mutter und sind zudem recht teuer.
Da ich neugierig bin, werde ich mir die interessante Eigenkonstruktion der angetriebenen Spindelmutter von EMS im CAD einmal genauer angesehen.
Gruß MarkusBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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Angehängte Dateien- 0083 - angetriebene Spindelmutter 1.JPG (85,8 KB, 58x aufgerufen)
- 0084 - angetriebene Spindelmutter 2.JPG (68,9 KB, 55x aufgerufen)
- 0085 - angetriebene Spindelmutter 3.JPG (57,3 KB, 55x aufgerufen)
- 0086 - Störkante Spindelmutter.JPG (81,5 KB, 59x aufgerufen)
- 0078 - Anbindung angetriebene Spindel P2.JPG (74,4 KB, 70x aufgerufen)
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Die angetriebene Spindelmutter
Nachdem die Einbauuntersuchung der angetriebenen Spindelmutter im CAD für mich dann doch etwas ernüchternder gewesen war als zunächst angenommen, habe ich mir nochmals grundsätzlich Gedanken über Vor- und Nachteile dieser Lösung gemacht:
Vorteile der angetriebenen Spindelmutter:
- kompakte Bauform bei unveränderten Aufstellmaßen / Abmessungen
- das Spindelfestlager ist wirklich -fest-, denn die Spindel wird einfach mechanisch geklemmt. Festlagerspiel bzw. -toleranz kennt diese Lösung nicht
- Die Spindel schwingt sich nicht durch die eigene Drehung auf
- Die Endenbearbeitung der Spindel gestaltet sich sehr einfach und preiswert
Nachteile der angetriebenen Spindelmutter:
- es ist eine zusätzliche Energiekette für die Verkabelung des Schrittmotors notwendig
- mehr -Stress- für das Antriebskabel des Schrittmotors durch die Platzierung am beweglichen Portal
- mehr bewegte Massen, also ein kleines Minus für die Dynamik
- Antrieb und Getriebe liegen extrem schlecht zugänglich unter dem Tisch. Ein Zahnriemenwechsel und die richtige Einstellung wird zur Herausforderung
- die größere Bauhöhe unter dem Tisch erfordert eine geteilte Verbindungsplatte für die beiden seitlichen Wangen, oder höhere, seitliche Tischprofile. Die geteilte Verbindungsplatte verursacht zusätzliche, ungewollte Bewegungsfreiheiten an den Fügestellen.
- eine manuelle Bewegung des Portals z.B. über Handrad o.ä. ist nicht möglich bzw. nicht bequem von außen zugänglich
Unterm Strich muss ich sagen, dass das schlechte Wechseln des Zahnriemens für mich die Entscheidung gegen die angetriebene Spindelmutter bedeutet hat. D.h. ich werde bei dieser Variante hier abbrechen und zwei konventionelle Kugelumlaufspindeln vorsehen, die stirnseitig über einen Zahnriemen verbunden werden.
Als kleines -Bonbon- muss ich ja nichts Neues konstruieren, denn alle spindelführenden Teile wie die Mutteraufnahme und die beiden Lagerflansche können ja aus der Y-Achse unverändert übernommen werden.
Also wieder zurück ans CAD ...
Gruß MarkusBell 230 (wird lackiert) / Bell 407 / Hughes 500E / Joker 3 / AW609 (im Bau)
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